Bleierne Zeit
Es ist ein Ort der bleiernen Zeit, den die Ausstatterin Esther Bialas für Yuval Sharons Inszenierung von Peter Eötvos’ «Tri sestri» auf die Bühne der Wiener Staatsoper gebaut hat. Ein Salon, von entkräftetem Kerzenlicht beleuchtet, in dem die Stunden auf Zehenspitzen vorbeischleichen und die Tage wie Kugeln mit mattem Klang eintönig in weite, leere Gefäße fallen. Panta rhei, alles fließt, andauernd und wie in Zeitlupe – hier in Wien auch Menschen und Interieur, meist von links nach rechts. Melancholie auf dem Laufband.
Drei Schwestern auf der Suche nach der verlorenen Zeit. In einer kleinen Garnisonsstadt gestrandet, hoffen sie vergeblich auf die Heimkehr ins geliebte Moskau. Auch private Erfüllung ist ihnen nicht beschieden. Irina (die in Erscheinung und Sopran aparte Aida Garifullina) würde den Offizier Tusenbach heiraten, der freilich vorher im Duell mit seinem Nebenbuhler Soljony den Tod findet. Olga (fragil, streng und mit samtenem Alt: Ilseyar Khayrullova) fühlt sich zur Ehe- und Hausfrau berufen, wird jedoch unvermählt in den Lehrberuf abgedrängt. Und Mascha (Margarita Gritskova, ein wenig an Morticia Addams erinnernd, mit silbernem Mezzo) möchte ihr traniges Eheleben mit ...
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Opernwelt Mai 2016
Rubrik: Im Focus, Seite 20
von Gerhard Persché
Sie sind der Mann für besondere Opernfälle. Wünscht man sich eine solche Position oder rutscht man da hinein?
Ich bin sehr früh mit außergewöhnlichem Repertoire in Berührung gekommen. Schon unter meinen ersten Engagements als Solist waren Uraufführungen. Doch ich sagte mir: Du musst unbedingt eine normale Mainstream-Karriere machen. Mit Festengagement und allem....
In Alexander Zemlinskys Opern rumort eine schwüle, mit Gewaltfantasien grundierte Erotik. Sein selten aufgeführtes Opus summum «Der König Kandaules» treibt die Obsessionen auf die Spitze. Wörtlich genommen ist die Geschichte schwer verdaulich: Der König begreift seine schöne Gattin Nyssia als Besitz. Erst entschleiert er sie wie eine Trophäe vor den Höflingen, dann...
Energie, die mit Farbe nach dem Leben greift: Der Bühnenraum ist voller Scheiben, aufgehängt wie vertikale Perlenketten in geometrischem Raster. Ihr Kolorit changiert, passt sich Ebbe und Flut der Musik an. Links ein wirrer, struwwelbärtiger Mann, die Beine in enormen Klötzen. Ein wenig erinnert er uns an Fafner. Oder an Rübezahl. Er scheint in Gedanken versponnen,...
