Beziehungsprobleme
Die Deutsche Oper Berlin lehnt sich weit aus dem Fenster mit ihrem tatkräftigen Drang nach Modernität, Abkehr von Konventionen, aktuellen Bildwelten. Die beiden letzten Mozart-Premieren etwa vergab sie an Schauspielregisseure, die zum ersten Mal Oper inszenierten. Rodrigo García entfachte zum Finale der vorigen Spielzeit einen monströsen Lifestyle-Wirbel um die «Entführung aus dem Serail». Nun, zum Saisonstart, gab man Robert Borgmann das Dramma giocoso «Così fan tutte».
Borgmann, Jahrgang 1980, hat Sprechtheater in Zürich, Köln, München und am Berliner Gorki-Theater realisiert, Produktionen aus Stuttgart und Wien zum Berliner Theatertreffen befördert. An der Deutschen Oper ist Borgmann auch sein eigener Bühnenbildner – da beginnen die Probleme.
Denn seine Collage-Ästhetik in surrealistischer Bühnenlandschaft ist kaum geeignet, die konfliktreich austarierte Seelenwelt der zwei ineinander verkeilten Mozart-Paare einzufangen, zu spiegeln oder mit Tiefenbedeutung aufzuladen. Das geht bei der Ouvertüre bildschön los, mit einem bühnenhoch wehenden gelben Vorhang, auf dem das applizierte Wort «Youth» eine junge, feurige Opernaffäre verspricht. Aber bald machen sich disparate ...
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Opernwelt November 2016
Rubrik: Panorama, Seite 45
von Wolfgang Schreiber
In seinem «Macbeth», so schreibt Verdi im Februar 1865 an den Pariser Verleger und Theaterdirektor Léon Escudier, gebe es im Grunde genommen nur drei wichtige Partien, nämlich die Titelrolle, die Lady und – den Hexenchor. Denn, so notiert er weiter, die «Hexen beherrschen das Drama; alles stammt von ihnen. Sie bilden wirklich eine Persönlichkeit, und zwar eine von...
Es bietet weder Drama noch Handlung im eigentlichen Sinn: Der Typus des geistlich-erbaulichen Oratoriums gehört nicht gerade zu den Favoriten des heutigen Publikums, selbst wenn man ihm Meisterwerke wie Alessandro Scarlattis «La Santissima Trinità» (vor 13 Jahren von Fabio Biondi und Europa Galante wiedererweckt) oder «Il trionfo del tempo e del disinganno» des...
Woran liegt es, dass Wagners Opern sich in der Provinz besonders wohlfühlen? Ist es womöglich der schrullig-schlaue Plan des Meisters – er wandte sich bewusst von den Metropolen ab und dem verträumten oberfränkischen Bayreuth zu –, der da immer wieder fruchtet? Vor Jahren etwa in Meiningen (unter Kirill Petrenko), jetzt (im September) wieder in Westfalen,...
