Bescheiden
Der Mozart-Zyklus aus Baden-Baden wächst. Das Prinzip «Ereignis» wird von den Produzenten auch für «Le nozze di Figaro», den vierten Teil des Projekts, reklamiert: Große Namen der Branche kommen kurz zusammen, um als Ensemble Bedeutendes zu erreichen.
Das künstlerische Ergebnis indes bleibt, gemessen an den hochgezüchteten Erwartungen, durchaus überschaubar: viel Gutes, wenig Neues, kaum Herausragendes. Dass Yannick Nézet-Séguin mit dem Chamber Orchestra of Europe einen vitalen, nervösen Mozart-Ton erzeugen kann, beweist auch diese Aufnahme.
Doch fragt man sich, zumal nach den Produktionen unter Teodor Currentzis oder René Jacobs, warum das Orchester hier unbedingt «historischer», also schärfer, spitzer klingen will als ein Ensemble mit alten Instrumenten. Der kanadische Dirigent leistet sich die eine oder andere Übertreibung, ob einstudiert oder spontan eingestreut, sei dahingestellt. Rund, organisch gewachsen wirkt das Ganze nur bedingt. Die orchestralen Höhepunkte markieren eher Momente der Innerlichkeit, wenn einzelne Instrumente sich zum kammermusikalischen Stelldichein verabreden und mit den Sängerstimmen vereinen.
Dass man die Rezitative durch forsche Spiel- und ...
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Opernwelt November 2016
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 30
von Christoph Vratz
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