Behauptungswille
Die großen alten Mythen wie Medea oder Phädra (um zwei aktuelle Beispiele zu nennen) haben derzeit Konjunktur auf der Opernbühne, und die Literaturoper, die einen literarischen oder theatralen Text mehr oder weniger eins zu eins in Musik zu übersetzen sucht, ist nach wie vor dominant. Jörg Widmann und Roland Schimmelpfennig sind in ihrem Werk den anderen, schwierigeren Weg gegangen: gemeinsam einen neuen Stoff zu entwickeln – wofür es freilich in der Operngeschichte erlauchte Vorbilder gibt (und vereinzelt auch aktuelle Beispiele).
Es geht, kurz gesagt, um die Möglichkeiten der Biotechnologie, genauer: das Klonen von Menschen – und im allgemeinen Sinn um das, was der Philosoph Günther Anders die «Antiquiertheit des Menschen» nannte, seine Inadäquanz in der selbstgeschaffenen Lebenswelt. Der Abstand zwischen dem, was der Mensch objektiv herstellen, und dem, was er sich subjektiv vorstellen kann: Genau davon handelt das Stück.
Patrizia, Chefin eines Biotech-Konzerns, lässt sich klonen, um mit diesem Wissenschafts-Coup den Börsenkurs ihres Unternehmens nach oben zu treiben. Ihr Mann Bruno – schon lange kaum mehr als ein Geschäftspartner – verliebt sich in die Kopie, die den Namen ...
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Bescheiden war Felix Weingartner, Edler von Münzberg, kaum – auch wenn er das «von» und damit den Hinweis auf seine adelige Herkunft schon bald aus dem Namen strich. Geboren wurde er 1863 in Dalmatien, rechnete sich zur stolzen k. u. k.-Elite. Er beschäftigte zeitlebens Dienstpersonal, fühlte sich, während das Kaiserreich gerade im Ersten Weltkrieg zerbrach, am...
Wieder einmal herrscht Endzeitstimmung in der Staatsoper Stuttgart. Wie schon in seiner Inszenierung des «Fliegenden Holländer» vor zwei Jahren (siehe OW 3/2008) stellt Calixto Bieito seine Auseinandersetzung mit Wagners «Parsifal» unter den Aspekt universeller Zerstörung. Den Zuschauer empfängt, noch bevor das Vorspiel einsetzt, eine apokalyptische Landschaft –...
