Bedrohte Vielfalt
Die Zerstörung der Artenvielfalt bedrohe die Menschheit mindestens genauso wie der Klimawandel, mahnte dieser Tage der Präsident des Biodiversitätsrats bei den Vereinten Nationen. Ähnlich wie etwa industrielle Landwirtschaft als eine der Ursachen für den Rückgang der Insektenbestände gelten kann, dürfte der kulturelle Globalisierungsprozess für das zunehmende Aussterben von Sprachen und Dialekten mitverantwortlich sein.
An diese Problematik haben Elena Mendoza und Matthias Rebstock wohl gedacht, als sie für die Schwetzinger Festspiele des SWR ihr drittes gemeinsames Musiktheaterprojekt «Der Fall Babel» konzipierten.
Wie der Titel andeutet, nimmt das zur Eröffnung der 68. Festivalsaison aus der Taufe gehobene Auftragswerk Bezug auf den biblischen Bericht vom Turmbau zu Babel. Während dort der für Verwirrung sorgende Verlust einer einheitlichen Ursprache als göttliche Strafe für menschliche Hybris geschildert wird, drehen Mendoza und Rebstock den Spieß um. In 13 Szenen und einem Epilog führt ihre «Oper» vom anfangs chaotisch reichen Nebeneinander zahlreicher Idiome zur Horrorvision der Gleichschaltung: Am Ende bleibt nur eine Lingua franca für alle übrig.
Die 1973 in Sevilla ...
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Opernwelt Juni 2019
Rubrik: Panorama, Seite 44
von Werner M. Grimmel
«Reason in madness» nennt die Sopranistin Carolyn Sampson ihr neues Liedalbum. Das nimmt Bezug auf einen Aphorismus von Friedrich Nietzsche: «Es ist immer etwas Wahnsinn in der Liebe. Es ist aber auch immer etwas Vernunft im Wahnsinn.» Ausgehend von Shakespeares Ophelia greift Sampson hier musikalische Psychogramme des weiblichen Wahnsinns auf. Vertonungen oder...
Darmstadt legt den Rückwärtsgang ein. Aber was 1912 Hugo von Hofmannsthal und Richard Strauss unter Assistenz Max Reinhardts nicht schafften – Molières comédie-ballet «Der Bürger als Edelmann» mit dem Operneinakter «Ariadne auf Naxos» zu einem Hybrid aus Wort, Tanz und Gesang zu verbinden –, ging auch in Christian Weises Darmstädter Inszenierung gründlich schief....
Bei Wagners «Tristan und Isolde» entscheidet sich alles im Vorspiel. Schon die ersten vier Takte sind schicksalhaft – für die folgende «Handlung» im Allgemeinen wie für die Qualität jeder einzelnen Aufführung im Besonderen. Die in den Celli sich aufwärtsschwingende Sexte ist wohl das gefährlichste Entrée der Operngeschichte.
Alain Altinoglu weiß das. Zwar...
