Schwankende Schwermut, reines Vergnügen
«Reason in madness» nennt die Sopranistin Carolyn Sampson ihr neues Liedalbum. Das nimmt Bezug auf einen Aphorismus von Friedrich Nietzsche: «Es ist immer etwas Wahnsinn in der Liebe. Es ist aber auch immer etwas Vernunft im Wahnsinn.» Ausgehend von Shakespeares Ophelia greift Sampson hier musikalische Psychogramme des weiblichen Wahnsinns auf.
Vertonungen oder Paraphrasen des Shakespeare’schen Originals – darunter Richard Strauss’ drei Ophelia-Lieder neben weniger bekannten Versionen von Johannes Brahms, Camille Saint-Saëns oder Ernest Chausson – werden eingerahmt von Claude Debussys und Charles
Koechlins erotischen «Chansons de Bilitis» und den musikalischen Spiegelungen von Goethes geheimnisvoll-androgyner Kindfrau Mignon bei Henri Duparc und Hugo Wolf. Es sind viele Klangbilder, die Sampson uns hören, viele Seelenspiegel, in die sie uns blicken lässt – mit gezügelt-zerbrechlicher Laszivität bei Debussy, fiebriger Erregtheit bei Wolf, herb-depressiver Melancholie bei Chausson und Duparc, dramatischem Puls bei Saint-Saëns oder in Schuberts «Gretchen am Spinnrade». Stets hat sie ihre Stimme, die weder in der Höhe noch im Forte ausbricht, ganz im Griff, singt mit schlankem, ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Juni 2019
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 26
von Uwe Schweikert
Volker Hagedorn ist ein Musikkritiker, der ungemein plastisch erzählen kann. Und wenn er ein Buch schreibt, so wie jetzt über die französische Hauptstadt in den Jahren 1821 und 1867, dann ist ihm daran gelegen, die Unmittelbarkeit, die seine Zeitungsartikel ausstrahlen, auch auf die kulturwissenschaftliche Publikation zu übertragen. Und tatsächlich gelingt ihm das...
Die neuen Propheten der Alten Musik? Sie gingen zunächst in England (Trevor Pinnock, Christopher Hogwood), in den Niederlanden (Ton Koopman, Frans Brüggen) und Flandern (Philippe Herreweghe, René Jacobs, die Kuijken-Brüder) ans Werk. Dank eines frankophilen Amerikaners (William Christie) mischten sie auch in der Grande Nation schon früh die Hörgewohnheiten auf...
alpha
23.06. – 20.15 Uhr
Offenbach: «Les contes d’Hoffmann»
Bayerische Staatsoper (2014)
ML: Carydis, I: Jones, S: Damrau, Villazón, Conners, Relyea, Brower, von der Damerau, Reß, Power, Stephinger
arte
02.06. – 17.40 Uhr
Werke von Monteverdi, Malvezzi, Gagliano, Caccini
Aus dem Spiegelsaal von Schloss Versailles
ML: Pichon, S: Desandre, Zaïcik, Richardot, Gonzalez...
