Bearbeitungen und Entdeckungen
Der Würzburger Komponist und Hochschullehrer Marcus Maria Reißenberger ist hauptsächlich mit Bearbeitungen hervorgetreten, geht dabei aber den umgekehrten Weg wie Liszt und Busoni, die meist größer besetzte Werke fürs Klavier transkribierten. Jetzt hat Reißenberger Lieder Schumanns und Klavierminiaturen aus dessen «Waldszenen» für ein kleines Ensemble aus zehn Musikern arrangiert, das Ganze zu einem Zyklus zusammengebunden und diesen durch eine mit Versen Eichendorffs textierte Version von «Der Dichter spricht», dem Schlussstück der «Kinderszenen», abgerundet.
Ziel seiner Transformation war es, die Lebendigkeit von Schumanns originalem Klaviersatz zu erhalten, ihn gleichzeitig aber mit einer instrumentalen Farbenpalette zu übertreffen. Das konnte nur schiefgehen – sei es durch die Hervorhebung einzelner Stimmen, einen mulmigen Breitklang oder ein kitschig wattiertes Bassfundament wie in der «Mondnacht». Reißenberger beruft sich auf Schönberg. Aber wenn Schönberg arrangiert, dann will er entweder (wie in seiner Orchesterversion von Brahms‘ Klavierquartett g-Moll) Stimmen hörbar machen, die sonst untergehen, oder er verfolgt (wie in den zahlreichen Bearbeitungen für den «Verein für ...
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Opernwelt März 2012
Rubrik: Medien | CDs, DVDs, Bücher, Seite 28
von Uwe Schweikert
Am Anfang steht das Ende. Noch bevor der erste Takt Musik erklingt, hört man die Pieptöne und das Wummern einer Herzmaschine. Die Frequenzkurven werden auf die Wände eines modernen Krankenzimmers projiziert. Mitten im Raum kauert ein zerknirschter Rodolfo am Fuß von Mimìs Bett. Ihr von den Auswirkungen einer Chemotherapie gezeichneter, kahler Kopf ist in bleiches...
Fangen wir an mit den Farben. Mit dem Rot, Gelb und Blau, dem Weiß, Schwarz und Grau der bühnengroßen Prospekte, die hinten auf- und niederfahren. Unentwegt verändern die riesigen Leinwände ihre Anmutung, in sanft fließender Bewegung. Strahlen wie die Sonne, glühen wie Höllenfeuer, werden dunkel wie die Nacht, grünen wie der Frühling. Metamorphosen des Lichts, die...
Wenn das Leben zuschlägt, hat die Musik ihre Chance. Sie lotet in all die Abgründe hinab, die in uns lauern. Sie zeigt Höhenflüge und Hölle der Seelen. Ihre Pianissimo-Passagen sind lauter als jeder Schrei, ihre Akkordwechsel bohrender als jede Depression, ihr Jubel ist nachhaltiger als jede Erleichterung. So etwa bei Carl Maria von Webers «Freischütz», bei...
