Barock, Jazz, Avantgarde
Seit in den amerikanischen Südstaaten die ersten field hollers auftauchten und schwarze Arbeiter sich mit improvisierten work songs den Frust von der Seele sangen, sind Blues und Jazz von der Musikweltkarte nicht mehr wegzudenken. Ein Pionier der neuen Gattung, der Ragtime-Erfinder Scott Joplin, schrieb bereits 1915 eine dreiaktige Oper («Treemonisha»), die ihre Impulse wesentlich aus den blue notes und syncopated rhythms bezieht. George Gershwin schaffte mit «Porgy and Bess» (1935) eine maßstäbliche Synthese aus Jazz und Klassik.
Umgekehrt inspirierte der swingende groove aus Amerika etliche Künstler in der Alten Welt – von Igor Strawinsky über Darius Milhaud bis zu Bernd Alois Zimmermann, Heiner Goebbels und Mark-Anthony Turnage. Doch die Spuren dieser Auseinandersetzung finden sich vor allem in Instrumentalwerken.
Einer der wenigen Europäer, die das Potenzial des Jazz für die Bühne erkunden, ist Kris Defoort. Angefangen hat der 1959 in Brügge geborene Musiker und Komponist als Spezialist für Alte Musik. Am Konservatorium Antwerpen studierte er Flöte, beschäftigte sich vier Jahre mit vorklassischem Repertoire. Dann ging er nach Liège, um – unter anderem in der Klasse des kürzlich ...
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«Von fremden Ländern und Menschen» erzählt Robert Schumann in einer seiner «Kinderszenen», Harald Braun intoniert sie an einem Flügel, in dem kurz darauf ein «Flügelwesen» zu verschwinden droht: eine stimmige Art und Weise, einen Abend lang ein Stück Sehnsucht wie «Das Paradies und die Peri» so in der Schwebe zu halten, als gäbe es zwischen Himmel und Erde Dinge,...
Das Drum und Dran sorgte einmal mehr für ebenso viel Gesprächsstoff wie die Aufführung selbst: Kaum war die Premiere von Glucks «Iphigénie en Aulide» mit Riccardo Muti am Pult über die Bühne gegangen, drohten die Gewerkschaften mit Streiks für die weitere Serie (ohne die Drohung letztlich wahr zu machen). Denn das Kulturministerium, das Italiens Opernhäusern...
Für das Booklet seiner neuen CD hat Philippe Jaroussky ein kontroverses Vorwort verfasst: Countertenöre, so argumentiert er darin, sängen meist Musik, die eigentlich für Kastraten verfasst worden sei. Deren Stimmen aber hätten ganz anders geklungen – weshalb sollten seine Fachkollegen und er selbst sich also nicht auch in anderes Repertoire vorwagen dürfen, zu dem...
