Aus freien Stücken
Elisabetta, Mimì, Desdemona – alles melancholisch umflorte Damen. Fühlen Sie sich manchmal nur einseitig gefordert? Würden Sie gern mal richtig komisch sein?
Die stimmlichen Voraussetzungen lenken einen ja in eine gewisse Richtung. Gut, die «Idomeneo»-Elettra ist nicht so umflort. Auch Mozarts Gräfin hat Witz. Aber mir machen all diese melancholischen Rollen Spaß. Früher habe ich mich manchmal ein bisschen leer gefühlt, wenn ich da stand und eine Ikone sein sollte. Aber das kann man füllen, die Musik gibt einem im Grunde genug Hilfestellung. Witze mache ich schon gern.
Das kommt schon noch…
Bei welchen Figuren sagen Sie: Das bin ich nicht?
Ich hatte viele Anfragen für Norma, Anna Bolena und andere Belcanto-Partien. Ich habe mich damit auseinandergesetzt und denke, dass der Aufwand zu groß ist. Ich müsste unheimlich trainieren für diesen Zierrat und diesen speziellen Stil. Eine Rolle wie Verdis Elisabetta liegt mir einfach besser in der Stimme. Aber Norma? Ich weiß nicht, vielleicht irgendwann einmal.
Sie singen nicht übermäßig viele Vorstellungen.
Ich habe immer 35 bis 40 pro Saison im Kalender. In meinem zweiten Jahr in Gelsenkirchen waren es 67. Da habe ich mir gesagt: Das geht ...
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Opernwelt April 2012
Rubrik: Interview, Seite 28
von Markus Thiel
1590 wurde ein Komponist zum Mörder: Carlo Gesualdo di Venosa war zu Ohren gekommen, dass seine Frau ihn betrüge. Er täuschte einen Jagdausflug vor, erwischte sie mit ihrem Liebhaber in flagranti und tötete beide.
Siebzig Jahre nach dem Doppelmord stilisierte der Librettist Giacinto Andrea Cicognini das Geschehen zu einer 46 Szenen umfassenden «opera tragica». Und...
Als Miranda van Kralingen vor acht Jahren Intendantin der Opera Zuid wurde, fand sie eine Art Produktionsgesellschaft vor, die mit einem Minimum an Mitarbeitern auskam und alles, was zu einer Opernproduktion benötigt wurde, jeweils neu organisieren musste. Mit ihrem Amtsantritt konnte in einer ehemaligen Kirche ein neues Quartier bezogen werden: Hier sind nun...
Denkbar unspektakulär, das Ganze. Einfach nah an Wort und Musik. Leicht stilisiert, immer aus der Körpersprache der Figuren lebend, Farben und Gesten genau setzend. So wie Christof Loy seit Jahren (fast) immer arbeitet. Bei seinem Berlin-Debüt hat der knapp fünfzigjährige Regisseur damit jetzt Ovationen ausgelöst, wie sie in Opernhäusern der Hauptstadt lange nicht...
