Aus dem Leben eines Taugenichts
Jonas Kaufmann sorgte neulich für Empörung, weil er sich weigerte, Fans die Hand zu schütteln – könnten ja Hustenbazillen oder Grippeviren dran sein. Oder diese beliebte Pavarotti-Anekdote: Wie der in einem konzertanten «Otello» in Chicago saß, mit einem solchen Berg Medikamente neben sich, dass er glatt seine eigene Apotheke hätte aufmachen können.
Tja, was tut man nicht alles für’s hohe C! Da braucht’s mehr als das tägliche Glas Orangensaft. Für einen Sänger ist eine Erkältung halt ein totales Desaster.
Mal ehrlich, ich bin zu hundert Prozent auf Kaufmanns Seite. Kein Handdesinfektionsmittel der Welt kann mich dazu bringen, Kranke anzufassen. Auch wenn einige Leute darauf verschnupft reagieren.
In unserem Job wird man zwangsläufig zum Seuchenexperten. Wobei die banale Hypochondrie etwas für Anfänger ist. Fortgeschrittene halten Erkältungen für psychosomatisch und glauben, die beste Prävention sei, so zu tun, als hätte man keine Angst. Diese höhere Form von Wahnsinn fällt allerdings in sich zusammen, sobald man sich das nächste Mal in einem überfüllten Bus wiederfindet, eingeklemmt zwischen schniefenden Kindern und röchelnden Studenten. Dann zieht man panisch die Notbremse und ...
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Opernwelt November 2014
Rubrik: Mal ehrlich, Seite 83
von Christopher Gillett
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