Auf die Schwingung kommt es an
Mit Peter Sellars haben die Berliner Philharmoniker in dieser Spielzeit erstmals einen Regisseur als «Artist in Residence» gewählt. Die Einladung markiert die Fortsetzung einer erfolgreichen Zusammenarbeit: Der Amerikaner hat in den letzten Jahren mit dem Orchester bereits die beiden Passionen von Johann Sebastian Bach in Szene gesetzt. Die schwebende Balance, die diese Produktionen in der Philharmonie zwischen Musik, Gesang und angedeutetem Spiel fanden, war beeindruckend. Sellars gelang es, die Übergänge zum Szenischen ganz aus der Konzertsaalsituation heraus glaubhaft zu machen.
Seine Versuche, das rein Konzertante aufzubrechen, entspringen weniger einem kritischen Impuls. Sie zielen vielmehr auf eine Poetisierung des Musikalischen, auf träumerische Abschweifungen des Hörens. Man könnte auch sagen: Er ermöglicht Erfahrungen der Grenzüberschreitung, die auch ein größeres Publikum begeistern können. Für die Philharmoniker, die sich ja als Institution der Zukunft begreifen, dürften die experimentellen Arbeitsprozesse ebenso inspirierend sein wie die Resultate. Im Dezember setzte Sellars an vier Abenden mit halbszenischen Aufführungen von Debussys «Pelléas und Mélisande» starke ...
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Opernwelt Februar 2016
Rubrik: Magazin, Seite 71
von Martin Wilkening
Es war ein Sängerfest, als sich 2011 fünf Countertenöre – Philippe Jaroussky, Max Emanuel Cencic, Franco Fagioli, Valer Sabadus und Yuriy Mynenko – erst im Aufnahmestudio, dann auf der Bühne und schließlich für eine Tournee zusammenfanden, um Leonardo Vincis letzte, 1730 in Rom uraufgeführte Oper «Artaserse» nach über zweihundertjährigem Archivschlaf...
JUBILARE
Sie begann ihre Laufbahn als Sängerin im Alter von 18 Jahren als Solistin mit dem Roger Wagner Chorale in Los Angeles. Auf der Opernbühne debütierte die gebürtige Kalifornierin Carol Neblett 1969 mit der New York City Opera als Musetta in Puccinis «La Bohème». Während der folgenden fünf Jahre trat sie in mehr als 25 Partien mit der Kompanie auf, u. a. als...
Es wäre ein bisschen zu einfach, wenn man sagen würde, dass «Il viaggio a Reims» und Christoph Marthalers Theaterästhetik gut zusammenpassen, weil die Menschen in Rossinis dramma giocoso auf eine Reise warten, die nie stattfindet, und weil Marthaler nun einmal der Regisseur ist, der aus dem Warten eine Kunstform gemacht hat. Nein, eigentlich war es ja der...
