Auf der Suche nach dem Neuen

Zehn Jahre Kunstfestspiele Herrenhausen: Ingo Metzmachers Programm-Parcours von Claude Vivier bis Rebecca Saunders und Olivier Messiaen bis Frank Zappa

Opernwelt - Logo

Dass die Kunstfestspiele Herrenhausen zu sehr im Abseits lägen und zu Abseitiges böten, war eine bei konservativen Kulturfreunden beliebte Nörgelei, als sie vor zehn Jahren in die erste Mai-Runde gingen. Doch bald zeigte sich, dass auch in Hannover und Umgebung die Fans des Neuen keinen Weg scheuen und dass das barocke Ensemble zehn Straßenbahnminuten vom Zentrum ein Pfund ist, mit dem sich durchaus wuchern lässt.

Während Gründungsintendantin Elisabeth Schweeger unter Berufung auf Gottfried Wilhelm Leibniz (der vier Jahrzehnte in der Welfen-Residenz lebte) und auf die Herrenhäuser Anlage fokussiert eine avancierte «Akademie der Spiele» zwischen Musik und Theater konzipierte, verlegte ihr Nachfolger, der gebürtige Hannoveraner Ingo Metzmacher, das Festival teilweise zurück in die Stadt. Nicht nur, um sich in seinem eigentlichen Metier, der großformatigen Orchesterarbeit, präsentieren zu können. Sondern auch, um alternative Spielstätten wie das Kulturzentrum Faust einzubinden, wo diesmal die britische Performance-Truppe Forced Entertainment mit ihrem Digest-Shakespeare am Küchentisch gastierte. Spektakuläre Eigenproduktionen, mit denen Schweeger Herrenhausen auf die internationale ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juli 2019
Rubrik: Magazin, Seite 65
von Albrecht Thiemann, Rainer Wagner

Weitere Beiträge
Auf nach Nürnberg!

Was tun mit Gottfried, dem abwesenden, vermeintlich von Elsa getöteten Kind, das am Ende wundersam stumm wieder auftaucht? Ein Fall für Statisten zwischen sechs und 16? Hans Neuenfels ließ diese Erlöserfigur in Bayreuth als Homunkulus auftreten, Yuval Sharon als giftgrünen Plüschanzugmann. In Nürnberg trägt Brabants neuer Führer Minidutt, Fellkragen, löchrige...

Glamour à la Hollywood

Eine bunte, mondäne Badegesellschaft bespaßt sich an einem Swimmingpool, während etwas abseits mit zerquältem Gesichtsausdruck eine Männergestalt herumstapft, die in ihrem braunen Cordsamtanzug nicht im Geringsten zu dem kapriziösen Freibadambiente passen will, offensichtlich aber gern bei der Party dabei wäre. In tosender Verzweiflung glaubt sich dieser...

Groß und klein

Prekäre Arbeit als Sujet hat auf der Opernbühne Tradition: Während jedoch Don Giovannis Diener Leporello seine Klage über die ungeregelten Arbeitszeiten überaus beredt formuliert, schuften die geknechteten Nibelungen im «Rheingold» wortlos unter Tage. Der zeitgenössischen Spielart dieser zeitlosen Form von Ausbeutung widmet sich Peter Eötvös’ Kammeroper «Der...