Glamour à la Hollywood
Eine bunte, mondäne Badegesellschaft bespaßt sich an einem Swimmingpool, während etwas abseits mit zerquältem Gesichtsausdruck eine Männergestalt herumstapft, die in ihrem braunen Cordsamtanzug nicht im Geringsten zu dem kapriziösen Freibadambiente passen will, offensichtlich aber gern bei der Party dabei wäre. In tosender Verzweiflung glaubt sich dieser Außenseiter mit den richtigen Karten beim Glücksspiel in die Hautevolée einkaufen zu können und so an seine ferne Geliebte aus jenen Kreisen heranzukommen.
Der Hermann in der Neuinzenierung von Peter Tschaikowskys «Pique Dame» an der Düsseldorfer Oper am Rhein ist ein zerwühlter Künstlertyp vom Schlage eines E.T.A. Hoffmann. Beeindruckt und doch angewidert von der ihn umgebenden feinen Gesellschaft, auf der Suche nach wahren Gefühlen säuft und spielt er sich ins Delirium.
Regisseurin Lydia Steier beschwört mit einem grellen Mummenschanz – Dienstmädchen in Bunnykostümen, Gesellschaftshaie in Galagewandung und Kinder in Cowboytracht nach Westernmanier – das gute alte Hollywood. Das passt (wenngleich es manchmal ein bisschen albern wirkt), steht doch das amerikanische Glitzerfilmland der Dekadenz im Milieu der reichen Oberschicht ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Juli 2019
Rubrik: Panorama, Seite 38
von Josef Oehrlein
Am Ende zieht Roger seine Lackschuhe aus und begrüßt an der Rampe emphatisch die aufgehende Sonne. Aber er bleibt nicht, wie im Libretto vorgesehen, mit seinem arabischen Ratgeber Edrisi allein. Zwar ist die den Verlockungen des göttlichen Hirten erliegende Menge abgezogen, doch seine Frau Roxana, der Erzbischof, die Diakonissin und ein kleiner Junge bleiben...
Wie leicht, wie oft entfährt sie uns, die Rede vom Besonderen, Herausgehobenen, Unvergleichlichen. Diese hochgejazzte Floskelsprache der Superlative, die, wenn nicht das Beste, Schönste, Wahrhaftigste, so zumindest das Unterhaltsamste, Köstlichste, Abgefahrenste verheißt. Wie der Abend- und Morgenstern vom grauen Firmament soll sich das glitzernde Lametta eines...
Vier Spielzeiten lang hat die Oper Bonn sich um den frühen Verdi bemüht. Jetzt rückt seine mittlere Schaffenszeit der 1850er-Jahre in den Fokus. Den Anfang machen «Les vêpres siciliennes», der zweite Anlauf des Komponisten, in Paris mit einer französischen Grand Opéra zu reüssieren. Musikalisch schließt man in Bonn keine Kompromisse und spielt den Fünfakter, der...
