Auf der Shakespeare-Bühne
Seit seiner Uraufführung 1978 ist Aribert Reimanns «Lear» fast zu einem Repertoirestück geworden. Umso überraschender, dass er in Skandinavien, das Neuer Musik an sich aufgeschlossen gegenübersteht, erst jetzt seine Premiere erlebte. Das kleine, aber feine Opernhaus in Malmö hat sich dieser musikalischen Mammutaufgabe angenommen und sie mit Bravour gelöst: Reimanns Meisterwerk ist nun auch im Norden etabliert.
Stefan Johansson hat eine beglückend klare wie einfache Regielinie gefunden, die das Theater Shakespeares als Dreh- und Angelpunkt nimmt.
Ohne große Requisiten treten die menschlichen Grundkonflikte in den Fokus. Der abgedeckte Orchestergraben – in Malmö ein Halbrund – fungiert als schlichte elisabethanische Bühne, über Holzstege treten die Figuren in renaissanceartigen Kostümen auf. Das Geschehen, in dem die Abgründe menschlicher Bosheit und Brutalität ausgeleuchtet werden, findet hautnah erfahrbar im Zuschauerraum statt.
Das Orchester ist auf der eigentlichen Bühne des Hauses positioniert, schemenhaft verdeckt von einem Vorhang. Erik Nielsen führt es mit größter Umsicht und Klarheit durch Reimanns dunkle, komplexe Klangstrukturen mit ihren irisierenden Viertelton-Clustern ...
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Opernwelt Juli 2013
Rubrik: Panorama, Seite 45
von André Bücker
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