Anarchisch frisch
Theodor W. Adorno vertrat die These, dass die Qualität des Spätwerks den Rang eines Künstlers ausmache. Für Beethoven, Wagner, Bruckner, Janácek trifft dies wohl zu. Doch ganz so einfach ist die Sache nicht. Schon bei Schumann wird gestritten, ob die frühen Werke inspirierter seien als die späteren. Bei manchen Komponisten scheinen die «reifen» Werke eher einfacher, bei anderen, Bach beispielsweise, ist die Faktur komplizierter geworden.
Derzeit lässt sich eine Tendenz zu einer Art Sakralisierung letzter Werke beobachten.
Beethovens Quartette, Sonaten und die Diabelli-Variationen, Mozarts Sinfonie-Trias Nr. 39-41 geben den Ton an, leider oft auf Kosten der mittleren und frühen Phase: Wobei es schwer genug ist, die Stilsphären auseinanderzuhalten. Gern hat man etwa den früheren, «politischen» Nono gegen den «Prometeo»-Wanderer ausgespielt. Auch bei Stockhausen ist der «Licht»-Zyklus ab 1977, mitsamt seinen Ablegern, in den Fokus gerückt (siehe auch Seite 16 und 31).
Stockhausen-Gegner stellten nicht selten die kompositorischen Qualitäten gegenüber ideologischen Einwänden hintan – und nicht wenige Kenner trauern der Zeit vor 1977 nach. Ganz unrecht haben sie nicht: Die ...
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Opernwelt August 2016
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 26
von Gerhard R. Koch
Was haben die Spätromantik und das erfundene Rokoko des Duos Hofmannsthal-Strauss mit dem Surrealismus zu tun? Auch mit scharfgestellter Dramaturgen-Lupe wollen partout keine belastbaren Verbindungslinien sichtbar werden. Dennoch tappen in Gregor Horres’ Hagener Inszenierung des «Rosenkavalier» immer wieder gesichtslose Männer im schwarzen Anzug mit Bowler-Hut auf...
«L’amore metamòrfosa l’uomo in una bestia» – «Die Liebe verwandelt den Menschen in eine Bestie»: Falstaffs Selbsterkenntnis aus dem dritten Akt könnte ein Motto für die Deutung sein, mit der sich Lukas Hemleb an Boitos und Verdis schwarzer Komödie versucht hat. Ein einziges Element steht auf Alexander Polzins Bühne: ein haushoher, erratischer Felsbrocken, dessen...
Einst träumte Perm davon, ein Zentrum der zeitgenössischen Kunst zu werden. Hoffte gar, irgendwann den Titel «Europäische Kulturhauptstadt» zu erringen. Doch das Projekt scheiterte. Heute wirkt selbst der ehemalige Flussbahnhof, in dem das Museum für Zeitgenössische Kunst untergebracht ist, heruntergekommen.
Aber es gibt immer noch das Diaghilev-Festival. 2012...
