An der Oberfläche
«Wir fragen uns heute, wie es möglich sein kann, anders zu arbeiten.» Mariame Clément, die junge franco-iranische Regisseurin, die seit ihren Debüts in Biel, Lausanne, Bern, Lübeck und Straßburg mit einer Überfülle an Einfällen, kleinen Geschichten und feinen Assoziationen auffällt, hat in ihrer kurzen Karriere bisher meist mit der Ausstatterin Julia Hansen zusammengearbeitet. Die gegenseitige Befruchtung, die sich etwa am Zusammenspiel von Kostümdetails und präzise darauf abgestimmter Gestik offenbart, haben Clément und Hansen in bestechender Weise kultiviert.
Der erzählerische Reichtum und die Vieldeutigkeit der Figurenkonstellationen ist zum eigentlichen Markenzeichen der Inszenierungen von Mariame Clément geworden. Unzählige Ideen belebten schon ihre Deutung von Offenbachs «Schöner Helena» im vergangenen Dezember an der Opéra national du Rhin in Straßburg. Die oft unterschätzte leichte Muse trat da mit Geist und abgründigem Humor auf. In Lausanne wiederum stellten Clément und Hansen Rossinis «Il signor Bruschino» und Puccinis «Gianni Schicchi» kraft kleiner «clins d’œil», Augenblicke, die akkurate visuelle Brücken und Querverbindungen bildeten, nicht bloß nebeneinander, ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Gottfried Pilz verzichtet auf jegliche Örtlichkeit und zeigt Wagners romantische Gespensteroper als Seelendrama zweier Individuen, die sich aus der Chormasse herauskristallisieren. Auf weißer Bühne, vor weißem Rundhorizont, agieren Menschen in weißer Krankenhauskleidung. Assoziationen an geschlossene Psychiatrie, aber auch an antikes Chordrama stellen sich ein....
Die erste Schallplatte eines vollständigen Bühnenwerkes galt 1907 der «Fledermaus», sicher mehr die Verbeugung vor einem einzelnen Meisterwerk als vor der Gattung Operette. Der aufstrebende Hörfunk pflegte das Genre dann aber sehr. Vieles, was alte Kataloge der Reichsrundfunkgesellschaft verzeichnen, dürfte es nicht mehr geben, doch kamen immerhin eine «Fledermaus»...
Glücklich ein jeder, der dieser Muse angesichtig wird. Ein ätherisch schönes Wesen, blond wie ein Engel, anmutig in den Bewegungen, mit geschmeidiger, einschmeichelnder Stimme – Gesine Nowakowski ist es, höchst talentierte Sängerin, noch nicht ganz zur Reife gediehen. Dirigent müsste man sein, jedenfalls in dieser durch und durch sehenswerten Produktion, dann würde...
