Alles nur Bluff
Menschen in blutgetränkten Shirts liegen reglos auf den Stufen vor dem Haupteingang der Semperoper. Zögerlich bahnen sich die Premierengäste ihren Weg zwischen den Körpern, gehen unter dem Banner «Heute: Weltuntergang» hinein. Das drohende Inferno inszeniert Calixto Bieito in Dresden mit
György Ligetis «Le Grand Macabre». Seine «Anti-Anti-Oper» greift auf Opernkonventionen zurück, führt sie aber gleichzeitig ad absurdum.
Statt mit einer Ouvertüre beginnt das Werk mit einem Konzertstückchen für 12 Autohupen – sehr ausdrucksvoll und mit viel Verve getutet von drei Schlagzeugern der Staatskapelle. Es ist ein großer Schabernack.
Nekrotzar, der Makabre, macht sich mit Saufkumpan Piet vom Fass auf den Weg, um das Ende der Welt offiziell beim Prinzen zu verkünden. Schrullige Bewohner säumen ihre Tour. Ein Komet soll das Bruegelland zerstören, und somit alles, worum es sich hier dreht: Macht, Hunger, Sex. Für Bieito ein gefundenes Fressen. Nekrotzar als vulgärer, ungepflegter Unsympath im Bademantel und mit Fleck im Schritt, nimmt sich denn auch jede Frau, die er kriegen kann. Mehr als zwei werden es allerdings nicht. Amando und Amanda stecken zum Liebemachen auf Unterleibshöhe ...
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Opernwelt Januar 2020
Rubrik: Panorama, Seite 36
von Nora Sophie Kienast
Herr Reinvere, wie sind Sie eigentlich auf das Thema «Beethovens Tochter» gestoßen?
Auslöser meines Interesses war sein berühmter Brief an die «Unsterbliche Geliebte» aus dem Jahr 1812. Wenn man sich fragt, welche Frau die Adressatin dieses Briefes gewesen sein könnte, begegnet man sehr schnell Josephine Brunsvik, jener aus einem ungarischen Adelsgeschlecht...
Während Händel- und Vivaldi-Recitals boomen, hat die noch immer unterschätzte französische Barockoper auch hier das Nachsehen. Ihr theatrales Gesamtkunstwerk aus Aktion, Gesang und Tanz eignet sich weniger zur vokalen Selbstdarstellung als die italienische Seria mit ihren virtuosen Abgangsarien, und für den gegenwärtige Counter-Hype liefert sie kein Stimmfutter....
Zugegeben, kurz erschrickt man schon, wenn sich der Vorhang öffnet und den Blick auf hypernaturalistische Kulissen freigibt: In handwerklich exzellenter Ausführung ist der Originalschauplatz von Camille Saint-Saëns «Samson et Dalila» nachgebildet, ein Dorf im Tal Sorek. Rechterhand steht eine Reihe von Lehmhäusern, linkerhand erheben sich Felsen. Hat die Berliner...
