Ästhetik des Unverbindlichen
Inwieweit Carl Eberts Mozart-Inszenierungen, mit denen die Festspiele in Glyndebourne in den dreißiger Jahren eingeleitet und schlagartig berühmt wurden, einem kritischen Blick von heute standhalten würden, lässt sich aus Mangel an Filmdokumenten nicht sagen. Doch dass die musikalischen Interpretationen Fritz Buschs über Jahrzehnte ihren maßstäblichen Charakter behalten haben, belegen allein ihre ständigen Neuauflagen auf CD. Glyndebourne lebt bis heute vom Nimbus dieser großen Pionierzeit. Fünf Produktionen aus den siebziger Jahren hat Arthaus jetzt als DVD neu herausgebracht.
Sie sind nicht dazu angetan, diesen Nimbus in irgendeiner Weise zu bestätigen.
Bei «Le nozze di Figaro» und «Così fan tutte» steht John Pritchard am Pult, der Buschs Assistent in Glyndebourne war, und seine dramatisch durchpulsten Dirigate, denen es ein bisschen am feineren Humor fehlt, beschwören die große Zeit momentweise herauf. Doch was sich auf der Szene tut, geht nicht über das hinaus, was man in jedem mittleren Stadttheater erwarten kann. Manchmal gewinnt man den Eindruck, die Regisseure hatten gar keine Lust, sich für eine Klientel der Besserverdienenden in geistige Unkosten zu stürzen.
Was ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Dieser im Klangbild klare, rauscharme, wenn auch mit kleinen Aussetzern behaftete und in den großen Chorszenen manchmal etwas detonierende Premieren-Mitschnitt des «Rienzi» (TKM Records Slovenia Sazas) ist ein Unikum: eine auf die Hälfte des Originals – oder dessen, was gedruckt überliefert ist – eingedampfte Bearbeitung mit Wagners nachkomponiertem heroischen...
Eine Mikrofonstimme hatte James King, der in diesem Jahr achtzig Jahre alt wurde, nie. Wer live erlebt hat, wie er etwa die große Szene des Kaisers in Strauss‘ «Frau ohne Schatten» aufbaute und steigern konnte – und zwar steigern im Sinne einer immer intersiver sich im Raum ausbreitenden, unforcierten Klangfülle –, der weiß, dass ein Mikrofon dergleichen nie...
Viel Euphorie beim Mittagessen. Zürichs Opernintendant Alexander Pereira sprach voller Freude und fast schon bewegt von der Übereinkunft, die er mit Franz Welser-Möst erzielt hat. Zunächst Chefdirigent, dann, als er zum Music Director des Cleveland Orchestra avancierte, nur noch «Principal Conductor», will der unterdessen Fünfundvierzigjährige österreichische...
