Langsam geht die Welt zugrunde
Dieser im Klangbild klare, rauscharme, wenn auch mit kleinen Aussetzern behaftete und in den großen Chorszenen manchmal etwas detonierende Premieren-Mitschnitt des «Rienzi» (TKM Records Slovenia Sazas) ist ein Unikum: eine auf die Hälfte des Originals – oder dessen, was gedruckt überliefert ist – eingedampfte Bearbeitung mit Wagners nachkomponiertem heroischen Schluss von 1847, die Wieland Wagner zusammen mit Maximilian Kojetinsky für seine Stuttgarter Inszenierung von 1957 erstellt hat, gedacht als Test für eine mögliche Aufführung in Bayreuth.
Natürlich darf Wolfgang Sawallischs fast eine Stunde längere Münchner Fassung von 1983 als philologisch korrekter gelten, da sie maßvoll gekürzt war und auf sonstige Eingriffe verzichtete. Die beiden Stuttgarter Bearbeiter dagegen stellten Szenen um, änderten den Wortlaut, verteilten Text auf andere als die vorgesehenen (Neben-)Figuren, eliminierten fast alles, was nach Rezitativ klingt, und schufen nahtlose Übergänge, wo Wagner Kontraste und Divergierendes komponiert hatte. Das kommt allerdings oft der Stringenz der Handlung, etwa der Durchschlagskraft des dritten Akts zugute und destilliert aus der «Großen Tragischen Oper» ein ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Eine Mikrofonstimme hatte James King, der in diesem Jahr achtzig Jahre alt wurde, nie. Wer live erlebt hat, wie er etwa die große Szene des Kaisers in Strauss‘ «Frau ohne Schatten» aufbaute und steigern konnte – und zwar steigern im Sinne einer immer intersiver sich im Raum ausbreitenden, unforcierten Klangfülle –, der weiß, dass ein Mikrofon dergleichen nie...
Drei Jahrzehnte ist es nun her, dass Hans Werner Henze das «Cantiere Internazionale d’Arte» ins Leben rief. Im Sommer 1976 fanden die ersten Veranstaltungen in Montepulciano statt. Damals waren Riccardo Chailly und Volker Schlöndorff zu Gast. Ferner bemühte man sich intensiv um die «Volksbildung». Der Geiger Jesse Hawkins spielte Bach-Partitas für Bauarbeiter, und...
Im Jubiläumsjahr 2006 wollen die Salzburger Festspiele alle zweiundzwanzig Mozart-Opern szenisch aufführen. Die großen Stücke werden von den Festspielen selbst produziert. «Don Giovanni» und «La clemenza di Tito», von Martin Kusej inszeniert, liegen schon vor. In Herrmann-Inszenierungen existieren bereits «Così fan tutte» und, noch aus der Mortier-Ära, «Idomeneo»....
