Wiedergeburt im Parkhaus
Der Menschenstrom schiebt sich voran, drückt sich durch die Durchfahrt auf das Parkdeck der Deutschen Oper. Flutet wieder auseinander, verteilt sich auf den kargen Holzbänken. Links im Halbdunkel die Rückwand des Verwaltungstrakts, der Bühnenturm, rechts gähnen höhlengleich leere Stellplätze. Vorn das Kulissenmagazin mit den riesigen Stahltoren. Ein breiter Gang, überdacht, von Säulen gefasst, bildet die Bühne; hier sitzt auch das Kammerensemble der Deutschen Oper.
Hinauf führt eine breite Freitreppe, gekrönt von einer schwarzen Skulptur: ein Pyr vielleicht, ein Pinienzapfen, Symbol der Fruchtbarkeit im Dionysos-Kult.
Oben glimmt fahlblau der Abendhimmel; der September zeigt sich gnädig zum Spielzeitauftakt der Deutschen Oper. Drinnen wird noch an der Obermaschinerie gebaut, doch dem Haus ist es gelungen, aus der Not nicht nur das Bestmögliche, sondern etwas richtig Gutes zu machen. Die Open-Air-Kulisse im eigenen Hinterhof erweist sich als ideal für Iannis Xenakis’ «Oresteia» – weil die collagierte Architektur dieses Ortes so gut zu der heterogenen Gestalt des Stücks passt.
Die erste Fassung entstand, als die Bürger der Stadt Ypsilanti im US-Bundesstaat Michigan Anfang der ...
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Opernwelt November 2014
Rubrik: Im Focus, Seite 16
von Wiebke Roloff
Jonas Kaufmann sorgte neulich für Empörung, weil er sich weigerte, Fans die Hand zu schütteln – könnten ja Hustenbazillen oder Grippeviren dran sein. Oder diese beliebte Pavarotti-Anekdote: Wie der in einem konzertanten «Otello» in Chicago saß, mit einem solchen Berg Medikamente neben sich, dass er glatt seine eigene Apotheke hätte aufmachen können.
Tja, was tut man...
Geschichtsaufarbeitung überall, hundert Jahre nach Beginn des Ersten Weltkriegs. Das «Marsdrama» von Karl Kraus darf nicht fehlen. Vor 450 Jahren begann der Freiheitskrieg der Niederlande gegen die spanische Blutherrschaft. Später gab ihm Charles De Coster in seinem Roman die Leitfigur des Ulenspiegel. Heute wimmelt es auf der ganzen Welt von Aufständen,...
Insbesondere in «Akhnaten», so der Komponist Philip Glass, sollen Musik, Szene und Bewegung als primäre Bedeutungsträger fungieren. Ob Glass’ Musik dazu die nötige Tragfähigkeit besitzt, wird zu Recht nach wie vor diskutiert. In Adelaide hat man im August die Probe aufs Exempel gemacht: Die State Opera of South Australia (SOSA) schnürte die Opern «Akhnaten»,...
