Arbeit am Mythos
Der Frankfurter Komponist Rolf Riehm, Jahrgang 1937, ein knorriger Außenseiter der Avantgarde, beschäftigte sich in kleineren Musiktheaterarbeiten unlängst gleich mehrfach mit blutigen antiken Schöpfungsmythen. Auch die lockend-mörderische Frauenriege der Odyssee brachte er schon zur klingenden Erscheinung: 1994 in seiner von Klaus Zehelein in Stuttgart herausgebrachten Oper mit dem Kafka-Titel «Das Schweigen der Sirenen».
Wenn er sich neuerlich in einem Auftragswerk für die Oper Frankfurt diesem Thema nähert, dann mit noch weiter gesteigerten, gesicherten, von Nouveauté-Erfahrung beflügelten Ambitionen. «Sirenen – Bilder des Begehrens und des Vernichtens»: tatsächlich ein resümierendes und zugleich mutig und zügig neue Wege beschreitendes Projekt.
Arbeit am Mythos. Was bedeutet das für einen dem Theater zugewandten Musiker? Zum einen ist Riehm durchdrungen von der «Aktualität» der mythischen Konstellationen, die elementare Situationen und Konflikte gleichsam modellhaft für alle Zeiten ausfigurieren, dabei sich immer wieder neu öffnen können für verschiedenste Deutungen. Bei Riehm geht es um ein «familiäres» Personendreieck. Auf einen einfachen Nenner gebracht, enthält Riehms ...
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Opernwelt November 2014
Rubrik: Im Focus, Seite 18
von Hans-Klaus Jungheinrich
Der eine ist gewissermaßen der legitime Genius Loci. Ein bisschen eingeklemmt zwischen Wank, Kramer und Wettersteingebirge, ein Talkessel mit hohen Tellerrändern, wo sich’s für Richard Strauss, dem immer mehr die Realität Negierenden, naturgemäß gut existieren ließ. Auch der andere Ort versteht sich, wie Garmisch-Partenkirchen mit seinem Komponisten-Festival, als...
Impressum
55. Jahrgang, Nr 11
Opernwelt wird herausgegeben von
Der Theaterverlag – Friedrich Berlin
ISSN 0030-3690
Best.-Nr. 752272
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Redaktionsschluss dieser Ausgabe
war der 13.10.2014
Redaktion
Wiebke Roloff
Albrecht Thiemann (V. i. S. d....
Wes Geistes Kind «Atys» auch ist: In Kiel lässt die Zentralperspektive des Bühnenraums zumindest ahnen, warum gerade diese Tragédie lyrique von Jean-Baptiste Lully gern als opéra du roi bezeichnet wird. Alle Bodenlinien zielen letztlich auf König Ludwig XIV., der unsichtbar bleibt, sich hier einmal nicht als Sonnengott in Erinnerung bringt. Selbst Götter können...
