O Mare Mio
Kapitän ist auch nicht einfach. Hoch auf der Brücke stehen, das große Rad drehen und den Blick über die Weiten des Meeres schweifen lassen? Das war gestern. Olaf Hartmann hat viel mehr zu tun als die «Europa» auf Kurs zu halten; meist läuft das 1999 in Helsinki vom Stapel gelaufene Fünf-Sterne-Plus-Kreuzfahrtschiff ohnehin auf Autopilot. Der Kapitän ist überall zu sehen. In der Theater-Lounge muss er Seemannslieder singen (und macht das mit seinem gütigen Bariton gar nicht schlecht). Zum «Bayerischen Frühschoppen» auf dem Achterdeck das Bierfass anstechen.
Beim Cocktailempfang für die Neuen zirka 300 Hände schütteln und für Erinnerungsfotos posieren (die später zum Verkauf angeboten werden). Beim Sieben-Gänge-Diner mit Auserwählten Smalltalk machen. In stoischer Ruhe die immer gleichen Fragen ahnungsloser Landratten beantworten (wo ist noch mal Backbord?). Doch bei alledem lächelt Olaf Hartmann dieses nie verspannte, nie verrutschende, kleidsame Lächeln, das so gut zu seiner tadellos sitzenden Uniform passt wie das arrivierte Modelpaar in die Werbefotos, die den Hochglanzprospekt der «MS Europa» schmücken. Man meint dieses Lächeln sogar zu hören, wenn er in den täglichen Durchsagen ...
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Opernwelt Januar 2016
Rubrik: Reportage, Seite 52
von Albrecht Thiemann
Nicht alle Hunde, die bellen, beißen auch. Weiß man ja. Der Jäger, der Schneewittchen töten soll, bringt das nicht fertig. Bei Elena Kats-Chernin und Susanne Felicitas Wolf in Berlin muss Schneewittchen nicht mal alleine durch den dunklen Wald: Ein Riesenkarnickel steht ihr bei. Damit sich bloß keiner gruselt. Dazu gibt’s einen bunten Salat aus Britten und Wagner...
Fahler Glanz flackert im Raum. Schneegrau schimmern Wand und Boden, salzmatt die Kleider. Der Stuhl, das Boot, das Bett. Mitten im Leeren steht eine Tür: Regisseur Graham Vick und sein Bühnenbildner Richard Hudson bezeichnen damit den Übergang zwischen zwei unscharf abgegrenzten, doch existenziell verschiedenen Zuständen: Leben und Tod. Denn um diesen Übergang geht...
Die zweite von Stéphan Lissner eingefädelte Premiere an der Opéra national bot dem Pariser Publikum ein doppeltes Wiedersehen. Krzysztof Warlikowski hatte unter Gerard Mortier die Regiepalette des Hauses bereits um einige Arbeiten bereichert. Während der von Mortiers Nachfolger Nicolas Joël geprägten Jahre der Restauration war er erwartungsgemäß nicht mehr zum Zug...
