Die Natur ruft
Nicht «drei Tenöre», sondern «fünf Countertenöre»! Beflügelt vom Erfolg der in dieser Hinsicht reich gesegneten Aufnahme von Leonardo Vincis «Artaserse» herrscht auf dem Plattenmarkt derzeit eine wahre Falsettisten-Schwemme. Was ja kein Grund zur Klage ist. Nachdem sich Philippe Jaroussky, Franco Fagioli und David Hansen mit Arien von Nicola Porpora, Leonardo Leo, Leonardo Vinci und anderen dem gleißenden Virtuosentum des Barock gewidmet haben, hat sich Bejun Mehta jetzt der Opera seria auf dem Weg in die Klassik angenommen.
Er konfrontiert den jungen Mozart – Schöpfer etwa von «Ascanio in Alba» und «Mitridate» – nicht nur mit Gluck, sondern auch mit Tommaso Traetta, Johann Adolf Hasse und Johann Christian Bach: unterschiedliche Stadien des Ringens um freiere Formen und, so steht’s im Vorwort zu Glucks «Alceste», die «Sprache des Herzens».
Mehtas herbere Stimme erreicht nicht ganz das Ebenmaß, die Wärme und Eleganz der Ausnahmeerscheinung Fagioli, mit der sich heute jeder Counter messen muss. Gerade in der Höhe droht die Stimme – insbesondere in dramatischeren Affekten – manchmal ihre Rundung zu verlieren, etwa in der Schlusskadenz («a suo aspetto andrò») im A-Teil der ...
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Opernwelt Februar 2014
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 19
von Wiebke Roloff
Singen sei, so verfügte einst der hier stellvertretend zitierte William James Henderson («The Art of Singing»), die «Interpretation eines Textes mit Tönen, die von der menschlichen Stimme produziert werden». Henderson fügte hinzu: mit «schönen» Tönen – womit immer auch die dramatisch richtigen gemeint sind. Singen wird hier, als verstünde sich dies von selbst, mit...
Ein Broadway-Klischee jagte das nächste, kaum ein Witz, der dem Publikum einen matten Lacher entlockt hätte: Die Neuproduktion der «Fledermaus» von Jeremy Sams (Regie) und Douglas Carter Beane (Neufassung des Librettos) an der New Yorker Met besaß, man kann es nicht anders sagen, den Charme eines misslungenen Soufflés. Obendrein servierte sie, (kultur-)historisch,...
Frau Rachvelishvili, an der Scala wurden Sie für Mercedes in «Carmen» gecastet – und für die Titelrolle engagiert!?
Zunächst als Zweitbesetzung. Ich war zu Tode erschrocken! Dann ging ich zu Janine Reiss, die mit Maria Callas an der Rolle gearbeitet hat. Dass Daniel Barenboim mir unerfahrenem Ding die Carmen anvertraut hat, war das Wunder meines Lebens. Inzwischen,...
