Hintergründiges Vergnügen

Strauss in historischen Live-Mitschnitten aus München und Wien: «Der Rosenkavalier» unter Carlos Kleiber, «Intermezzo» unter Joseph Keilberth, «Capriccio» unter Georges Prêtre

Opernwelt - Logo

Der Jubel kannte keine Grenzen. Als im April 1972 an der Bayerischen Staatsoper ein neuer «Rosenkavalier» in der Regie von Otto Schenk herauskam, schrieb Imre Fabian in dieser Zeitschrift: «Die Sensation dieser Premiere hieß Carlos Kleiber» (siehe OW 6/1972). Die Produktion war opulent besetzt: Gwyneth Jones sang die Marschallin, Karl Ridderbusch den Ochs, Lucia Popp gab die Sophie, Brigitte Fassbaender war Octavian.

Und das historistische Maria-Theresia-Ambiente der Inszenierung – Bühne und Kostüme stammten von Jürgen Rose – sowie der buffoneske, aufs Komödiantische zielende Schwung der Personenführung sollten dafür sorgen, dass dieser «Rosenkavalier» jahrzehntelang das Münchner Publikum lockte und immer noch lockt.
Das hintergründige Strauss-Vergnügen aber schien – dies hatte sich bald herumgesprochen – erst perfekt, wenn Carlos Kleiber am Pult des Bayerischen Staatsorchesters stand. Eine «unverwechselbare, unverkennbar markante, von Vorbildern unbelastete, reife Formulierung» bescheinigte Fabian dem damals zweiundvierzigjährigen Dirigenten: «ein ‹Rosenkavalier› mit explosiven Ausbrü­chen, ekstatischen Höhepunkten, feinfühligen Übergängen und plötzlichem Wechsel von heftig ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Dezember 2008
Rubrik: Medien/CDs, Seite 28
von Albrecht Thiemann

Vergriffen
Weitere Beiträge
Romas Wandlungen

Draußen duften während der Pausen Bratwürs­te, und gegen Abend wird es ein bisschen nass­kühl. Der oberfränkische Hügel muss also irgendwie ganz nah sein. Drinnen läuft Richard Wagner, inszeniert von Katharina Wagner, und wenn es nach dem medialen Aufgebot geht, das diese Premiere begleitet, dann ist Bayreuth wirklich nicht weit entfernt. Außerdem sind natürlich...

Geradeheraus

Der Grund, warum die estnische Komponistin Mari Vihmand die auf Deutsch geschriebene Novelle «Die Mathematik der Nina Gluckstein» als Vorlage für eine Oper gewählt hat, ist vermutlich der gleiche, aus welchem dieses kleine Buch in den achtziger Jahren zu einem internationalen Bestseller wurde: Die deutsch-argentinische Schriftstellerin Esther Vilar hat in ihrer...

Viel Lärm um nichts

Die Leipziger Opernsaison beginnt mit einem Knalleffekt. Schmetternde Türen und aggressive Buhs lassen die Wände zittern, das Gewandhausorchester mit Leopold Hager am Pult und die Solisten ertrinken im Lärm. Was ist passiert? Ein 29-jähriger Regisseur, Michael von zur Mühlen, hat seine Chance, an einem gro­ßen Haus zu inszenieren, in den Sand gesetzt. Sein...