Viel Lärm um nichts
Die Leipziger Opernsaison beginnt mit einem Knalleffekt. Schmetternde Türen und aggressive Buhs lassen die Wände zittern, das Gewandhausorchester mit Leopold Hager am Pult und die Solisten ertrinken im Lärm. Was ist passiert? Ein 29-jähriger Regisseur, Michael von zur Mühlen, hat seine Chance, an einem großen Haus zu inszenieren, in den Sand gesetzt. Sein «Fliegender Holländer» gerät zum Eklat, die Oper wird bundesweit in die Schlagzeilen katapultiert.
Da stand sie sowieso schon, weil sich Generalmusikdirektor Riccardo Chailly zunächst gegen den Intendanten Henri Maier durchgesetzt hat und sich dann selbst – gern, wie manche in Leipzig vermuten – verabschiedete, als Peter Konwitschny den Posten des Chefregisseurs übernahm. Wilder Seegang also zum Saisonstart für den kommissarischen Intendanten Alexander von Maravic. Was hätte da besser gepasst als der «Holländer»?
Dass die Wogen im Publikum turmhoch schlagen, liegt an Videosequenzen, die Regisseur von zur Mühlen auf eine Leinwand hoch über der Bühne projizieren lässt. Sie zeigen Kampfhunde, die sich ineinander verbeißen, und Rinderkadaver im Schlachthaus. Eine echte Prostituierte tanzt, der Damenchor sticht mit Messern auf ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Das Werk steht als Rätsel vor uns. Es geht im sprichwörtlichen Sinne um eine Glaubensfrage: Was der Gral ist, oder eben nicht, liegt an der Perspektive dessen, der auf den Schrein schaut. Ist diese Perspektive eine gleichsam gottgewollte, gottwollende, gar gottgeweihte, so lässt sich in der Tat enormes kathartisches Potenzial im «Parsifal» behaupten und auch...
Die Opernhäuser Deutschlands sind mit zunehmenden Herausforderungen und Bedrohungen konfrontiert. In einer Zeit knapper Kassen wächst der Legitimationszwang. Der traditionelle Repertoirebetrieb, festangestellte Ensembles und Orchester, machen die Opernlandschaft Deutschlands zu einer aufwändigen Sache. Weltweit gibt es nichts Vergleichbares. Zunehmend wird Oper...
Vor zehn Jahren haben wir die erste «Opernwelt»-CD produziert. Die Reihe, die seitdem entstanden ist, kann sich sehen und vor allem hören lassen – und sie folgt einer Grundidee. Alle diese CDs waren Sängerinnen oder Sängern gewidmet, die von der Plattenindustrie vernachlässigt wurden und wenig Chancen hatten, ihre Kunst und ihr Können für spätere Generationen zu...
