Mit Paukenschlag
Man gibt sich weltoffen an der Oper von Wuppertal – einer Stadt, in der ein Drittel der Bevölkerung von Migranten abstammt, Tendenz steigend. Im Saisonheft lächelt ein schwarzes Mädchen mit blauen Augen in die Kamera des Reportagefotografen Jens Großmann, eine Frau steht vor den Trümmern ihres sturmzerstörten Hauses auf den Philippinen, Erdbeben in Kaschmir, Spuren des Terrors in Liberia. Das alles hat mit dem Spielplan wenig zu tun und wirkt in seiner Gutmenschenhaltung von Kulturschaffenden auch aufgesetzt.
Aber der neue Intendant Berthold Schneider will auf keinen Fall die Fehler seines Vorgängers Toshiyuki Kamioka wiederholen. Der hatte in seiner kurzen Zeit als Chef von Oper und Sinfonieorchester das Musiktheater nach italienischem Vorbild als Serie populärer Erfolgsopern mit Gastsängern aufgezogen und dafür das Ensemble sowie einen Großteil des künstlerischen Teams an die Luft gesetzt. In einer Stadt, in der schon ein in der Substanz angegriffenes Schauspielhaus geschlossen werden musste, driftete nun auch die Oper in die künstlerische Beliebigkeit und havarierte nicht nur bei der Kritik, sondern vor allem beim Publikum – für Berthold Schneider das «Herz» jedes Opernbetriebs.
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Opernwelt November 2016
Rubrik: Magazin, Seite 76
von Michael Struck-Schloen
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