Mitgefühl? Nicht vorgesehen
Giacomo Puccinis «La Bohème» ist die Geschichte einer Enttäuschung, die mit dem antibürgerlichen Eklat beginnt und mit der Flucht vor der Realität des Todes endet ‒ eine hymnische Feier der Jugend und deren rüde Entzauberung.
Und weil die couleur locale der Oper so pariserisch ist wie wohl nur noch in Gustave Charpentiers «Louise», hat Jens-Daniel Herzog in seiner Bonner Regie den Schauplatz belassen und die Handlung nur ein wenig vorverlegt: Henri Murgers Bohème-Impressionen werden jetzt auf die Studentenunruhen im Pariser Mai 1968 kopiert, wobei die Regie sich nicht für politische Details interessiert, sondern für das Lebensgefühl in der Revolte, das sie recht geschickt herauspräpariert.
Eine Fabrikhalle (Einheitsbühne: Mathis Neidhart) ist von den vier Künstlern besetzt, die in den schönsten Klamotten der 60er-Jahre (Sibylle Gädeke) ihre Armut und Freiheit genießen, die Wände mit linken Parolen schmücken, tanzen, saufen und ‒ wenn Mimì auftaucht ‒ der freien Liebe frönen. Das Café Momus im zweiten Akt wandelt sich zur Imbissbude, knüppelnde Polizisten erinnern an die Ohnmacht der Behörden gegenüber den studentischen Rebellen. Allerdings erfährt man auch, dass die ...
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Opernwelt November 2016
Rubrik: Panorama, Seite 45
von Michael Struck-Schloen
Frau Foster-Jenkins … darf ich Sie Florence nennen?
Nein. Sie dürfen mich Frau Foster-Jenkins nennen.
Darf ich Sie was Persönliches fragen?
Bitte.
Wie fühlt es sich an, als die mieseste Sängerin aller Zeiten zu gelten?
Das kann ich Ihnen schwerlich beantworten. Damit sollten Sie sich an jemanden wenden, der dieses Problem schon mal hatte.
Gut, lassen Sie es mich...
In den letzten Jahren seines Lebens dachte Leos Janácek viel über die Unsterblichkeit nach. Vom Zyklus des Werdens und Vergehens erzählt seine drittletzte Oper «Das schlaue Füchslein». Die letzte, «Aus einem Totenhaus», beleuchtet die Sehnsucht nach Überleben im Schreckensalltag eines Lagers. «Die Sache Makropulos», sein vorletztes Bühnenwerk, behandelt den Traum...
Es bietet weder Drama noch Handlung im eigentlichen Sinn: Der Typus des geistlich-erbaulichen Oratoriums gehört nicht gerade zu den Favoriten des heutigen Publikums, selbst wenn man ihm Meisterwerke wie Alessandro Scarlattis «La Santissima Trinità» (vor 13 Jahren von Fabio Biondi und Europa Galante wiedererweckt) oder «Il trionfo del tempo e del disinganno» des...
