Frühlingserwachen

Daniel Barenboim und Claus Guth eröffnen die Saison an der Mailänder Scala mit Lohengrin

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Elsa gibt es zweimal, Gottfried dreimal. Oder womöglich gar viermal? Erträumt sich die junge Herzogin von Brabant ihren Bruder ebenso wie ihren Ritter – als Retter aus der Erziehungshölle? Claus Guth stellt in seinem Lohengrin an der Mailänder Scala Wagners Werk von den Füßen auf den Kopf. Das kalkulierte, das rationale Böse, so seine Grundannahme, ist doch in Wahrheit viel gefährlicher als Aberglaube und Zauberei. Also verkörpert Ortrud bei ihm nicht die heidnische Welt, die vom Christentum bezwungen werden muss, sondern den Intellekt, das zielgerichtete Vernunftdenken.



Ausstatter Christian Schmidt hat den Innenhof einer Kaserne auf die Scala-Bühne gestellt, drei Etagen hoch, in der charakteristischen Stahlskelettbauweise des späten 19. Jahrhunderts. Inmitten der Säulenumgänge steht ein Klavier, das Symbolinstrument des bildungsbürgerlichen Zeitalters. In strenges Schwarz gekleidet, geben Telramund und Ortrud die Regeln vor: Pünktlichkeit, Reinlichkeit, Gehorsam. Wenn Elsa, mal als junge Frau, mal als Mädchendouble, an die Tastatur muss, um Etüden zu pauken, steht Ortrud neben ihr und korrigiert unerbittlich den Knickwinkel der Handgelenke. Eine grausame Gouvernante. Elsa aber ist ...

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Opernwelt Februar 2013
Rubrik: Im Focus, Seite 14
von Frederik Hanssen

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