Stürmen und schmachten
Früher genügte es, einige schöne Arien eines oder mehrerer Komponisten zu einem klingenden Bukett zusammenzustellen. Seit einigen Jahren hat sich die Idee des Konzept-Albums aber auch für Aufnahmen mit Musik aus dem 17. und 18. Jahrhundert durchgesetzt. Unter Countertenören etwa waren und sind Zusammenstellungen von Arien beliebt, die für bestimmte Kastraten komponiert wurden («Arias for Farinelli/Senesino/Carestini»).
Vier neu erschienene Alben mit renommierten Sängerinnen, die vor allem im barocken Repertoire erfolgreich sind, zeigen unterschiedliche Möglichkeiten, einen thematischen roten Faden durch zum Teil stilistisch sehr unterschiedliche Werke zu ziehen.
Die katalanische Sopranistin Nuria Rial hat sich mit dem Ensemble Artemandoline zusammengetan und präsentiert Arien, Lieder und Kantaten mit obligaten Mandolinen, von denen die meisten erst dem Staub der Archive entrissen werden mussten. Mari Fe Pavón und Juan Carlos Muñoz entlocken ihren Barockmandolinen bezaubernde Klänge und artikulieren so kantabel, dass man glatt vergisst, dass es sich um Zupfinstrumente handelt, deren schnell verklingender Ton im Grunde kein Legato zulässt. Hier aber singen die Mandolinen, dass es eine ...
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Opernwelt Juni 2015
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 22
von Thomas Seedorf
Ihre «Schicksalsrolle», Cileas Adriana Lecouvreur, die sie 1938 zum ersten Mal sang, 1951 für ihr Comeback wählte und insgesamt länger als ein halbes Jahrhundert im Repertoire hatte, wobei die Galerie ihrer Tenorpartner von Beniamino Gigli bis Plácido Domingo reichte, hat Magda Olivero nie im Studio aufnehmen können. Deshalb waren ihre diversen Live-Mitschnitte in...
Die Frage ist ja nicht: Wer fürchtet sich vorm schwarzen Mann? Sondern: Wer ist dieser Samiel überhaupt? In der Wolfsschlucht donnert eine anonyme Stimme – und hat, etwas partiturwidrig, das letzte Wort nach Choraufruhr und Orchestergefecht. Noch interessanter ist diese Frau: stumm, groß, hinkend, verhärmt, Kaspar zu Tode erschreckend in seiner Arie. Auf eine...
Fast immer wenn die Staatskapelle Berlin mit Daniel Barenboim auf Frühjahrstour geht, wird Barockes aufgeführt, mit befreundeten Musikern im Orchestergraben, oft spektakulär: René Jacobs und die Akademie für Alte Musik Berlin heben Raritäten des 17. oder 18. Jahrhunderts ans Licht. Wie eben Georg Philipp Telemanns 1973 in Magdeburg erstmals wiederaufgeführte Oper...
