Klare Zeichen
Vor einhundert Jahren stemmte in Trier ein siebenundzwanzigjähriger Kapellmeister fast im Alleingang Wagners «Ring». Der junge Wilde hieß Heinz Tietjen und entfachte als Regisseur und Dirigent in Personalunion an der Mosel ein regelrechtes «Wagner-Fieber», wie die Lokalpresse damals vermerkte. Es war der Startschuss für eine Karriere, die ihn zum preußischen Generalintendanten und künstlerischen Direktor der Bayreuther Festspiele während der Nazi-Zeit aufsteigen ließ.
Dass man in Trier ein Jahrhundert später das Wagnis einer «Walküre» eingeht, ist freilich Zufall.
Im Theater wusste man nicht einmal von dem Jahrestag. Und doch ist die Produktion durchaus jubiläumswürdig. Hans Peter Lehmann zieht das souveräne Fazit aus fünf Jahrzehnten intensiver Beschäftigung mit dem «Ring». Da erfindet einer die Geschichte zwar nicht neu, erzählt aber mit stringenter Logik und klarer Linienführung. Für Lehmann handelt die «Walküre» vom Konflikt zwischen gesellschaftlichen Regeln und menschlichen Gefühlen. Für die Regeln stehen die in Runen gegossenen Gesetze. Fricka, Hüterin der Konvention, trägt sie gar als Kette um den Hals. Greift sie in die Handlung ein, erscheinen Runen-Projektionen auf der ...
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