Second Life
Das Anhaltische Theater Dessau bringt zwischen 2012 und 2015 Wagners «Ring» heraus – originellerweise rückwärts, also in der Reihenfolge der Entstehung der Libretti (nicht aber der Partituren!) von «Siegfrieds Tod/Götterdämmerung» bis «Rheingold». Ob das wirklich eine glückliche Entscheidung war, ließ sich am «zweiten» Abend bezweifeln. Erst von André Bückers «Siegfried»-Konzeption aus versteht man, was die Roboter-Bewegungen der «Götterdämmerung» sollen.
Der erste Akt zeigt mit Siegfried und Mime zwei couch potatoes, die sich aus ihrer völlig vermüllten Messie-Bude per Computerspiel in eine Fantasiewelt träumen. Wotans Quizrunde, wo Mime sich wichtigtut, statt die entscheidende Frage zu stellen, wie das «Highscore Sword» zu reparieren sei, findet zwischen Döner und Pizza-Kartons in Günther Jauchs Paralleluniversum statt. Zu den Kollateralschäden der Konzeption gehört, dass Siegfrieds Schmiedelieder nicht zu dem Gehacke auf seinem neuen Cyber Game passen.
Die Kostüme Wotans, Fafners, des Waldvogels und Erdas zitieren dagegen Figurinen der Dessauer Bauhausbühne (nicht, wie oft zu lesen, des Weimarer «Triadischen Balletts»). Sie huldigen wie der an die Kaaba erinnernde, bauhausbunt ...
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Opernwelt Mai 2013
Rubrik: Panorama, Seite 48
von Boris Kehrmann
Ein neuer «Ring» soll geschmiedet werden – von Valery Gergiev und seinen Truppen. Die Arbeit daran soll sich über zwei Jahre hinziehen, was wohl an den internationalen Verpflichtungen der Beteiligten liegt, die nur selten gleichzeitig frei sind. Für die Aufnahme der «Walküre» zum Auftakt des Projekts fanden sie sich zwischen dem 24. und 27. Juni 2011, zwischen dem...
Die Perspektive ist ungewohnt. Meist wird es den Sängerinnen und Sängern angelastet, wenn sie mit Wagners Partien nicht zurechtkommen. Otto Iro argumentiert umgekehrt: Wo liegen Wagners Irrtümer bei der Gestaltung seiner Rollen? Wo fordert er Dinge, die jeder Physis und jeder gesangstechnischen Logik widersprechen? Otto Iro (1890–1971) stammte aus dem Sudetenland,...
Ein Schluss, wie er im Buche steht. Längst haben Hagens Mannen Siegfrieds Katafalk aus Stühlen aufgeschichtet, als Brünnhilde erscheint, das Gesicht unterm Witwenschleier verhüllt und ein Flämmchen tragend, als wär’s das der Freiheitsstatue. Selbst wenn sie sich am Ende nicht aufs hohe Ross schwingt, scheint das ganze Theater unter ihren Füßen zu entflammen. Wüstes...
