Eingesargt

Berlin: Komische Oper: Donizetti: Don Pasquale

Opernwelt - Logo

Von allen großen Opern, die das Etikett «Komödie» tragen, dürfte Gaetano Donizettis «Don Pasquale» die melancholischste sein. Gefährlich dünn ist in dem 1843 uraufgeführten Werk der Firnis der Lustigkeit; am Ende bleibt von dem Versuch des alten Mannes, Leben und Jugend nachzuholen, nur ein bitteres «zu spät». Im Opernhaus merkt man davon leider meist nichts: Statt die Einsamkeit der Figuren spürbar werden zu lassen und eine Balance zwischen Ernst und Humor zu suchen, setzen die allermeisten Inszenierungen auf schrillen Klamauk – als wär’s eine durchgeknallte Rossini-Farce.

Die Niederländerin Jetske Mijnssen, die zuletzt in Basel mit einer sensiblen «Butterfly» überzeugte, ist an Berlins Komischer Oper keine Ausnahme. Ihr Pasquale, von Jens Larsen mit karikaturhafter Penetranz gespielt, hat die Charaktertiefe eines Kinderbuch-Bösewichts: kein Mensch, mit dem man Mitleid haben könnte, sondern eine zeternde Knallcharge mit Gehwagen und Kassenbrille. Eine Figur, die letztlich so leer ist wie der Prunksarg in der Mitte von Paul Zollers Bühne. Drumherum passiert allerhand: Die kesse Norina entpuppt sich nicht nur als Partyluder mit verlottertem Freundeskreis, sondern treibt auch mit ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt März 2010
Rubrik: Panorama, Seite 42
von Jörg Königsdorf

Vergriffen
Weitere Beiträge
Mit leichter Hand

Es ist nicht neu, dass Choreografen Oper inszenieren, aber es klappt immer besser. Christian Spuck, der bald das Ballett in Zürich übernehmen wird, war selten so locker und präzise wie bei Verdis «Falstaff». Die Palucca-Schülerin Arila Siegert setzt Rameaus Musik ganz direkt in Körpersprache um. Und Monique Wagemakers, die ebenfalls eine Tanzausbildung hat, lässt...

Anfang und Ende

In seinem autobiografischen Rückblick hat Carl Orff mit der ihm eigenen Nüchternheit über «Gisei» den Stab gebrochen und das Werk an den Beginn seiner «jugendlichen Schiffbrüche» gestellt. Was ihn 1913 bewog, den Einakter zu schreiben, war der Versuch, zwei Strömungen der Zeit – Debussys Revolutionierung der Musik und die Faszination durch das japanische Theater –...

Perfekte Pianokultur

Auf dem Höhepunkt ihrer Karriere war sie die Arabella schlechthin: Lisa Della Casa. Keine andere Sängerin war mit dieser Partie so verschmolzen wie die «Arabellissima». Lang ist’s her. Umso erfreulicher, dass es heute für diese Rolle würdige Nachfolgerinnen gibt. Und das nicht nur im Rampenlicht von Met, Scala oder Wiener Staatsoper. Marion Ammann zum Beispiel. Die...