Zischeln und Brausen
In der Welt der Oper tickt die Uhr mancherorts langsamer – und so ist die Provokation, die «Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny» 1930 darstellte, im goldprunkenden Neo-Rokoko-Rund des Wiesbadener Theaters bis heute recht einfach zu haben. Da zünden die bissigen Texte noch, da wird im Festspielpublikum gezischt, wenn die Prostituierte Jenny ihren Slip auszieht.
So erreicht die letzte, insgesamt brave und plakativ dekorierte Operninszenierung des 2014 scheidenden Intendanten Manfred Beilharz doch irgendwie ihr Publikum, wenn auch die Schlussszene mit hochgehaltenen Schildern («Gegen die Rettung des Euro», «Occupy», «Enteignung der Banken») sehr indifferent gerät. Der Abend hat den Rhythmus einer gepflegten Nummernrevue, die das Opernensemble mit mäßiger Textverständlichkeit serviert. Wer es üppig mag, ist mit Andrea Bakers vollstimmiger Leokadja Begbick und dem kräftig aufdrehenden Tenor Daniel Brenna als Jim Mahoney gut bedient. Wer schöne Stimmen bewundert, wird von Emma Pearson – Wiesbadens amtierender Lucia und Zerbinetta – mit engelsgleichen Tönen verwöhnt.
Generalmusikdirektor Zsolt Hamar, der am Vorabend der von uns besuchten zweiten Vorstellung eine «Lohengrin»-Gala mit ...
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Opernwelt Juli 2013
Rubrik: Panorama, Seite 50
von Claus Ambrosius
Mode: sportlich elegant – Schmuck: Ehering – Schuhe: 18 Paar Sneakers, ein Paar High Heels (Konzertschuhe) – Lieblingsopern: Carmen, Parsifal, Macbeth – Eine Oper, die sie nicht mag: ‹Così fan tutte›.» Ist also Mozarts böses Liebestausch-Experiment doch eher was für Männer, die gern die Frauen am eigenen, moralisch fragwürdigen Angelhaken zappeln sehen? Elena...
Seit seiner Uraufführung 1978 ist Aribert Reimanns «Lear» fast zu einem Repertoirestück geworden. Umso überraschender, dass er in Skandinavien, das Neuer Musik an sich aufgeschlossen gegenübersteht, erst jetzt seine Premiere erlebte. Das kleine, aber feine Opernhaus in Malmö hat sich dieser musikalischen Mammutaufgabe angenommen und sie mit Bravour gelöst: Reimanns...
Vor einigen Jahrzehnten, so räsonniert der mittlerweile über 80-jährige Cristóbal Halffter im Programmheft zur Kieler Uraufführung seiner «Schachnovelle», hätte er es sich nie träumen lassen, «dass diese Stadt einmal im Mittelpunkt meiner Tätigkeit stehen und eine große Bedeutung in meiner Entwicklung als Komponist einnehmen würde!» In der Tat: Zumindest für das...
