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Für jeden Versuch, Wagners «Ring» als realistisch-gesellschaftskritisches Musiktheater zu erzählen, ist der dritte Akte der «Walküre» die größte Hürde: Während sich die «Rheingold»-Personage problemlos auf moderne Hierarchiemuster übertragen lässt und selbst der Drache im «Siegfried» schon längst als Maschinenpopanz entlarvt worden ist, will sich für die Wotanstöchter nach wie vor kaum eine überzeugende Analogie im wirklichen Leben finden.
Wo wären denn so wilde Mädchen, die tote Krieger einsammeln und auf das Kommando eines alten Herrn hören?
Die Antwort, die Barrie Kosky an Hannovers Opernhaus auf diese Frage versucht, ist immerhin spektakulär: Seine Walküren haben ihre Rüstungen mit alten Lederjacken vertauscht und sich eine verlassene Tankstelle als Treffpunkt ausgesucht. Selbstbewusst reihen sich diese bösen Motorradbräute an der Rampe auf und schleudern ihre Hojotohos als Kampfansagen ans Publikum – so sehen Walküren im MTV-Zeitalter aus. Ein polarisierender Knalleffekt ist diese an die Werke des US-Underground-Sexfilmers Russ Meyer («Die Satansweiber von Titfield») erinnernde Viertelstunde allemal. Leider aber auch nicht viel mehr. Denn schon die blutbesudelten nackten ...
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Kahlenberg nennt sich der Aussichtshügel am Rande Wiens, vor dem die Donaumetropole sich hinstreckt wie ein bunt bestickter Teppich. Der Name lädt freilich auch zu einem ätzenden Wortspiel in Zusammenhang mit dem Alban-Berg-Jubiläum und den Wiener Festwochen 2010 ein. Denn Letztere feiern die 125. Wiederkehr des Geburtsjahrs dieses Komponisten mit einem ziemlich...
Einmal erst hatte sich der bildmächtige Theaterzauberer Achim Freyer zuvor mit Wagner auseinandergesetzt: 1994 kam in Brüssel ein traumverlorener «Tristan» heraus. Nun hat Freyer in Los Angeles sein «Ring»-Projekt abgeschlossen. Es steckt voller poetischer, ja visionärer Kraft, die frischer wirkt als manches, was druckfrisch aus der Notenwerkstatt kommt – etwa Jake...
Ein paar Minuten sitzt man im Dunkel, noch halb betäubt vom ersten Teil, da fallen Gazebahnen von der Decke. Schwarze Leinwände, auf denen es flimmert. Sonnenstrahlen funkeln durchs Dickicht, Bäume und Blätter sind als Projektion zu ahnen. Und dann diese Geräuschkulisse: kein fernes Affengekreisch, kein Zischeln und Rauschen aus dem Klischee-Kino, sondern ein...
