Die Kunst des Tauens
Auf dieser Bühne sang 1957 Birgit Nilsson ihre erste Turandot: Ganz schön mutig von Nina Stemme, ihr Debüt als Eisprinzessin ausgerechnet hier zu geben. «Ich habe mir gesagt: Wenn ich scheitere, dann lieber zu Hause», lacht sie. Doch Nina Stemme scheitert nicht.
In einem surreal-schrägen Zimmer starrt ein Dandy mit schnittigem Schnauzbart gedankenverloren auf die Tasten eines Klaviers: der Meister selbst.
Puccini blättert in einer Notenmappe und zieht dann eine Spieluhr auf: pling! Das chinesische Hauptthema erklingt, die Oper ist erfunden, und Thomas Søndergård kann den Einsatz für die Ouvertüre geben. Aus Puccini wird Calaf, doch die doppelte Ebene bleibt: Samtrote Sitzreihen schieben sich auf die Bühne, in Abendkleidung spiegelt der Chor das Publikum. Das Märchen um die Eisprinzessin entspinnt sich dazwischen, auf einem schmalen Steg unter dem Portal. Dann und wann tollen Clowns und Akrobaten vorüber: Die stampfenden Rhythmen, die schrillen, lauten Töne, die in dieser Oper eine so große Rolle spielen (und die Thomas Søndergård mit der Hofkapelle mehr zu genießen scheint als die sanften, leisen) und das farcenhafte Trio Ping-Pang-Pong haben Marco Arturo Marelli wohl dazu ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt April 2013
Rubrik: Im Focus, Seite 12
von Wiebke Roloff
Schon die ersten Takte der Ouvertüre, von der Hofkapelle München unter dem Energiebündel Michael Hofstetter markig musiziert, reißen den Hörer in die Welt des Sächsischen Hofes von 1742 hinein. Das ist berauschend feurige Musik, die Spaß macht. Und sie kann nicht nur die Muskeln spielen lassen, sondern im dritten Satz der Eröffnungs-Sinfonia, einem höfischen...
Paul Hindemith ist ein seltener Gast auf der Opernbühne. Vor Kurzem hat Bonn das frühe Einakter-Triptychon gespielt (OW 11/2012), jetzt wagt Münster sich an die Zeitsatire «Neues vom Tage», die 1929 an der Berliner Krolloper uraufgeführt wurde. Hindemith hat sich für dieses musikalische Spektakel mit dem Kabarettpoeten Marcellus Schiffer zusammengetan, der ihm ein...
Ein schlichter Mönch, der Chronikschreiber Pimen, hat das Wissen um die Katastrophen Russlands in der Hand, wie sie in Mussorgskys gewaltigem «Boris Godunow» aufscheinen: «Es zieht Vergangenheit an mir vorüber – bewegt, so wie ein Meer, ein Ozean...» Mussorgsky, der Historiker unter den Opernkomponisten des 19. Jahrhunderts, verwandelt das wirre Panorama seines...
