Wahn mit Methode
Woran liegt es, dass Wagners Opern sich in der Provinz besonders wohlfühlen? Ist es womöglich der schrullig-schlaue Plan des Meisters – er wandte sich bewusst von den Metropolen ab und dem verträumten oberfränkischen Bayreuth zu –, der da immer wieder fruchtet? Vor Jahren etwa in Meiningen (unter Kirill Petrenko), jetzt (im September) wieder in Westfalen, fast zeitgleich mit einer «Walküre» und neuen «Meistersingern»?
Die beiden Produktionen mit gleichen Maßstäben zu messen, hieße eigentlich, Äpfel mit Birnen zu vergleichen.
Die «Walküre» in Minden stemmte der örtliche Wagner-Verband mit Privatmitteln, Sponsoren- und Stiftungsgeldern; die Detmolder «Meistersinger» produzierte das öffentlich subventionierte Landestheater. Doch beide Produktionen eint Größenwahn mit Methode und jene Not, aus der beide eine Tugend machen: Sie sind eigentlich zu klein für Wagners Mammutbesetzungen. Also wird fein und schlank musiziert und von den Sängern mustergültig artikuliert. Weder in Minden noch in Detmold gibt es die an großen Häusern selbstverständlichen Übertitel – trotzdem ist jedes Wort klar zu hören. Auf wundersame Weise kommt Wagner so zu sich.
Es sind keine Zufallstreffer, die den ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt November 2016
Rubrik: Magazin, Seite 84
von Regine Müller
Einst an den Rand gedrängt, ist die Moderne nun fest verankert im Programm der Bregenzer Festspiele. Neben Otto M. Zykans «Staatsoperette» stand diesmal sogar eine zweite zeitgenössische Oper auf dem Programm: Miroslav Srnka vertonte in «Make No Noise» (2011) den brisanten Stoff eines Films, der die zufällige Begegnung zweier traumatisierter Menschen thematisiert,...
Wohnungen in simplem Bauhaus-Kolorit sind beliebte Schauplätze in TV-Krimis. Irgendwann passiert der Mord, zum Beispiel im Schlafzimmer. Denn auch dem banalsten Raum – das wissen wir seit Alfred Hitchcocks Thrillern – kann ein Grusel innewohnen. Spätestens dann, wenn sich reale und surreale Perspektiven vermischen. So wie in dem Moment, wenn auf der Basler...
Die Karriere der belgischen Sopranistin Anne Cambier beschränkt sich keineswegs auf die Benelux-Länder. Als Solistin bei Les Arts Florissants, als Gast bei Musica Antiqua Köln, La Petite Bande oder der Academy of Ancient Music gehört sie zum inneren Kreis jener Spezialistinnen, die mit nicht zu großer, schlackenloser, glockig heller Stimme zuverlässig ein...
