Himmel und Hölle
Man könnte sie als eine Ikone des «Musiktheaters» bezeichnen: Als 1961 der Bremer Schünemann-Verlag den berühmt gewordenen Band dieses Titels herausgab, entschieden sich dessen Verfasser, Siegfried Melchinger und Walter Felsenstein, für ein Titelbild mit dem Foto von Melitta Muszely als Violetta. Und unterstrichen damit die Bedeutung, die von dieser Sängerin für die Arbeit des Regisseurs und die Entwicklung seines realistischen Musiktheaters ausgegangen war.
Melitta Muszely ist eine waschechte Wienerin, trotz eines aus dem Ungarischen stammenden Großvaters; daher der für manche, vor allem im nicht deutschsprachigen Bereich, schwer zu artikulierende Name. Aber geboren (Jahrgang 1927) und aufgewachsen ist sie in Wien, und in Wien konnte sie ihre von Kindheit an vorhandene Opernbegeisterung natürlich in idealer Weise pflegen. Etwa ab dem zwölften Lebensjahr verbrachte sie nahezu jeden Abend in der Staatsoper, «Stehplatz vierte Galerie rechts, da wo auch Eberhard Wächter war und Hubert Deutsch, der spätere langjährige Chef des Wiener Betriebsbüros. Wir erlebten alles, was in der Opernwelt damals Rang und Namen hatte: Den ‹Ring› von Furtwängler, von Knappertsbusch, von Moralt. Dazu ...
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Nach dem «Onkel aus Boston», den Helmuth Rilling aus der Versenkung geholt und wieder aufführungstauglich gemacht hatte (vgl. OW 11/2004), gilt es nun erneut einen Repertoire-Exoten zu begrüßen: «Heimkehr aus der Fremde» heißt das «Liederspiel in einem Akt», das am 26. Dezember 1829 uraufgeführt wurde.
Man vergegenwärtige sich folgende Situation: Einhundertzwanzig...
Nicht «Spirto gentil», sondern «Ange si pur»: Der junge Klosterbruder, den die Liebe erwischte, lässt sich nun auch in Zürich auf Französisch vernehmen. Es spricht sich mehr und mehr herum, dass Gaetano Donizettis «Favoritin» sich in der Pariser Urfassung wesentlich genauer den Worten anschmiegt als in der mit links erstellten späteren italienischen Version. «La...
Einmal im Kreis laufen kann eine Reise zu einem fernen Ort bedeuten, ein kurzes Kopfnicken das Ende eines langen Schlafes anzeigen. Das chinesische Theater hat Bewegungen und Gebärden wie diese über Generationen entwickelt und bewahrt. Bertolt Brecht hat es bewundert. Oder präziser: Weniger die Techniken der Beibehaltung als jene der Veränderung des Ausdruckskanons...
