Reisen ins Innere
Einmal im Kreis laufen kann eine Reise zu einem fernen Ort bedeuten, ein kurzes Kopfnicken das Ende eines langen Schlafes anzeigen. Das chinesische Theater hat Bewegungen und Gebärden wie diese über Generationen entwickelt und bewahrt. Bertolt Brecht hat es bewundert. Oder präziser: Weniger die Techniken der Beibehaltung als jene der Veränderung des Ausdruckskanons interessierten ihn. Das Faszinosum war die Unbedingtheit, das Alte zu können und es zugleich «mit Aplomb» fallen zu lassen, um ästhetisch Aufruhr zu erregen.
Wenn also Wu Hsing-Kuo im Berliner Haus der Kulturen der Welt seine Maske und den mächtigen Umhängebart abnimmt, wenn er das Herrscherkleid abstreift, dann ist das so ein Moment, der mit der Konvention bricht. Er, der gerade noch «King Lear» gewesen ist, fragt plötzlich: Wer bin ich?
Europäer sollten von dem Regelwerk des chinesischen Musiktheaters zumindest wissen. Andernfalls bleiben sie halb blind für dessen Imaginationen und halb taub für die absichtsvollen Frakturen der Tradition. Wu Hsing-Kuo erleichtert den Zugang, indem er das hiesige Publikum im eigenen Kulturerbe abholt. Denn nicht zu übersehen ist, dass der Theaterleiter aus Taipeh vertrauten Umgang mit ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Was heute Anna Netrebko ist, war in den sechziger und siebziger Jahren Anna Moffo. Sie verfügte über Beauté und Aura eines Hollywood-Stars. Nur dass ihre optischen Reize dem Niveau einer Gesangskunst entsprachen, das Anna Netrebko bislang nicht erreicht. Anna Moffo bestach mit einer lyrischen, vollen und strahlenden Sopranstimme sowie vollendeter Koloraturtechnik....
Hamburgs neue Opernintendantin und Generalmusikdirektorin Simone Young plant für die nächsten Jahre einen umfassenderen Britten-Zyklus für ihr Haus. Sie darf dabei auf die gute Britten-Tradition der Hamburger Oper verweisen, die einst mit Günther Rennert begann. Nachdem es längere Zeit einmal um das Opernschaffen des Komponisten etwas ruhiger geworden war,...
Sie wollte immer schon Sopran werden und war sehr traurig, dass es «nur» zum Mezzo gereicht hat. Die internationalen Erfolge, die sie über ein Jahrzehnt im tieferen Stimmfach hatte, konnten Violeta Urmana nicht über das Gefühl hinwegtrösten, das eigentliche Ziel verfehlt zu haben. Unterdessen trennte sie sich nach und nach von typischen Mezzo-Partien wie Azucena,...
