Alle gegen alle

Die Bayerische Theaterakademie sorgt mit einer deftigen Produktion von Keisers «Fredegunda» für hitzige Reaktionen

Opernwelt - Logo

Das Händel-Fieber hat sich nach dem Ende der Ära Sir Peter Jonas gerade ­etwas abgekühlt, da erhitzen sich in München die Gemüter erneut – bei ­einer Oper seines vornehmlich in Hamburg wirkenden Zeitgenossen Reinhard Keiser.

Freilich nicht im National­theater, sondern als Produktion der Bayerischen Theaterakademie August Everding im Prinzregententheater: Bei der Premiere hagelte es nach einer angedeuteten Penetration auf offener Bühne Buhrufe, ein erboster Zwischen­rufer störte eine Folgevorstellung, und die Leitung eines kleinstädtischen ­Theaters sagte ein bereits vertraglich vereinbartes Gastspiel ab. Begründung: «die freizügige bis pornografische und überaus gewaltbefrachtete Umsetzung des Stoffes, die wir gu­ten Gewissens unserem überwiegend aus Abonnement-Kunden bestehenden Publikum nicht zumuten können und wollen».
Klaus Zehelein, bis letzten Sommer Intendant in Stuttgart und jetzt Präsident der Theaterakademie, mag sich angesichts solcher Reaktionen verwundert die Augen gerieben haben, war ihm doch selbst bei den kühnsten Erzeugnissen des Regietheater in Baden-Württembergs Kapitale derlei nicht untergekommen. Dort hatte er Tilman Knabe schon erfolgreich mit Keisers ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt April 2007
Rubrik: Magazin, Seite 32
von Klaus Kalchschmid

Vergriffen
Weitere Beiträge
Rund um den Musikpavillon

Operation gelungen, Patient tot, heißt das Fazit des musikalisch stimmigen, aber szenisch gänzlich missratenen Abends, mit dem Albrecht Puhlmann die von seinem Vorgänger Klaus Zehelein initiierte Auseinandersetzung mit der musikalischen Avantgarde aufgreift und fortschreibt. Bruno Madernas 1964 in Venedig uraufgeführter «Hyperion» ist keine Oper, sondern – so der...

Aus der Händel-Werkstatt

Unter den Dirigenten, die sich intensiv mit den Opern Händels beschäftigen, ist Alan Curtis mit Abstand der findigste: Auch wenn mittlerweile eigentlich alle Händel’schen Bühnenwerke auf CD vorliegen, findet der Amerikaner doch immer noch irgendeinen Kniff, der eine Neuaufnahme unter dem verkaufsfördernden Etikett einer «Ersteinspielung» rechtfertigt. Anders als...

Amüsante Rauchzeichen

Das nennt man Gefühl für Timing. Dabei war Hannovers neuer Opernintendant Michael Klügl nur auf der Suche nach ­einem Opernstoff, der lokalspezifisch ist. Er kam auf Wilhelm Busch, der zwar kein Hannoveraner war, aber zumindest in der näheren Umgebung geboren wurde und auch nicht so sehr weit entfernt gestorben ist und im örtlichen Wilhelm-Busch-Museum ein...