Alle gegen alle
Das Händel-Fieber hat sich nach dem Ende der Ära Sir Peter Jonas gerade etwas abgekühlt, da erhitzen sich in München die Gemüter erneut – bei einer Oper seines vornehmlich in Hamburg wirkenden Zeitgenossen Reinhard Keiser.
Freilich nicht im Nationaltheater, sondern als Produktion der Bayerischen Theaterakademie August Everding im Prinzregententheater: Bei der Premiere hagelte es nach einer angedeuteten Penetration auf offener Bühne Buhrufe, ein erboster Zwischenrufer störte eine Folgevorstellung, und die Leitung eines kleinstädtischen Theaters sagte ein bereits vertraglich vereinbartes Gastspiel ab. Begründung: «die freizügige bis pornografische und überaus gewaltbefrachtete Umsetzung des Stoffes, die wir guten Gewissens unserem überwiegend aus Abonnement-Kunden bestehenden Publikum nicht zumuten können und wollen».
Klaus Zehelein, bis letzten Sommer Intendant in Stuttgart und jetzt Präsident der Theaterakademie, mag sich angesichts solcher Reaktionen verwundert die Augen gerieben haben, war ihm doch selbst bei den kühnsten Erzeugnissen des Regietheater in Baden-Württembergs Kapitale derlei nicht untergekommen. Dort hatte er Tilman Knabe schon erfolgreich mit Keisers ...
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Operation gelungen, Patient tot, heißt das Fazit des musikalisch stimmigen, aber szenisch gänzlich missratenen Abends, mit dem Albrecht Puhlmann die von seinem Vorgänger Klaus Zehelein initiierte Auseinandersetzung mit der musikalischen Avantgarde aufgreift und fortschreibt. Bruno Madernas 1964 in Venedig uraufgeführter «Hyperion» ist keine Oper, sondern – so der...
Unter den Dirigenten, die sich intensiv mit den Opern Händels beschäftigen, ist Alan Curtis mit Abstand der findigste: Auch wenn mittlerweile eigentlich alle Händel’schen Bühnenwerke auf CD vorliegen, findet der Amerikaner doch immer noch irgendeinen Kniff, der eine Neuaufnahme unter dem verkaufsfördernden Etikett einer «Ersteinspielung» rechtfertigt. Anders als...
Das nennt man Gefühl für Timing. Dabei war Hannovers neuer Opernintendant Michael Klügl nur auf der Suche nach einem Opernstoff, der lokalspezifisch ist. Er kam auf Wilhelm Busch, der zwar kein Hannoveraner war, aber zumindest in der näheren Umgebung geboren wurde und auch nicht so sehr weit entfernt gestorben ist und im örtlichen Wilhelm-Busch-Museum ein...
