Ghost Busters
Christoph Marthaler in Wien. Dem Schweizer Musik-Theater-Schamanen immer wieder ein Forum gegeben zu haben, ist das Verdienst von Festwochen-Intendant Luc Bondy, dessen 15-jährige Ära (ab 1998 als Schauspieldirektor, ab 2002 als Intendant) nun zu Ende ging. Man erinnert sich an magische Marthaler-Abende, vor allem an «Schutz vor der Zukunft» (2005) im Jugendstiltheater des Otto-Wagner-Spitals, auf dessen Gelände die Nazis die berüchtigte Euthanasie-Versuchsanordnung «Am Spiegelgrund» errichtet hatten.
Es war Marthalers zärtlicher Blick auf das Furchtbare, der damals so unter die Haut ging.
Mit «Letzte Tage. Ein Vorabend» knüpft der Theatermacher nun – im historischen Sitzungssaal des österreichischen Parlaments – an diese Produktion an, baut gleichfalls die Brücke von den Schrecken der Vergangenheit zu Zukunftsängsten. An anderer Stelle wurde der Abend treffend als «szenische Séance, in der böse Geister der Politik heraufbeschworen und mit dem Geist der Musik ausgetrieben werden sollen» charakterisiert. Ungewöhnlich die theatralische Situation: Das Publikum nimmt nicht auf den Abgeordnetenbänken Platz (wie etwa im Januar, als am gleichen Ort Peter Androschs Opern-Oratorium ...
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Opernwelt Juli 2013
Rubrik: Magazin, Seite 74
von Gerhard Persché
Sind wir nicht alle ein bisschen Wagner? Nikolaus Barton erscheint, in strahlendes Weiß gekleidet, auf der Bühne der Flämischen Oper, und alle Begleiter wissen, um wen es sich bei ihm handelt. Warum sich vorstellen? Wagner, na klar. Sich mit elegant gewandeten Komponisten identifizierend, fallen alle einander in die Arme. Um erschrocken zu erstarren, kaum dass der...
Diese Schrecksekunde hat schon jeder Opernfreund erlebt: Wenn einer am Anfang vor den Vorhang tritt, wird meist eine Umbesetzung oder die Indisposition eines Sängers annonciert. In der zweiten Vorstellung von «Tristan und Isolde» waren aber weder Tenor noch Sopran unpässlich, vielmehr ein Bratscher und ein Cellist kurzfristig krank geworden. Da wurde man einmal...
Als 2010 bei den Bregenzer Festspielen Mieczyslaw Weinbergs «Passagierin», 42 Jahre nach ihrer Entstehung, uraufgeführt wurde, schrieb Georg Rudiger in dieser Zeitschrift, damit sei ein Komponist wiederentdeckt worden, «dessen Werke in den nächsten Jahren auf vielen Bühnen und Konzertpodien zu hören sein werden» (OW 9-10/2010). Diese Hoffnung hat sich nicht...
