Gerettet und gestärkt?

Bei den Innsbrucker Festwochen sorgt Alessandro De Marchi mit «Il Germanico» für Auftrieb. Lullys «Armide» muss hingegen bluten

Opernwelt - Logo

Wie bei den getreuen Vierbeinern verhält sich das. Sie dürfen zwar mal in dieser, mal in jener Ecke schnüffeln. Doch wenn es Herrchen oder Frauchen beliebt, schnurrt die Leine wieder auf kurze Distanz zusammen. Auch die Innsbrucker Festwochen für Alte Musik haben nun einen solchen «Besitzer» bekommen. In diesem Fall ist es das Tiroler Landestheater, das Festival wird in den kaufmännisch-operativen Bereich eingegliedert, dafür gibt es bald eine Tochter-GmbH. Ein glimpflicher Ausgang: Nur wenige Wochen vor dieser Einigung standen die Zeichen auf Fusion.

Landespolitik und eine Expertenrunde plädierten dafür, Landestheater-Intendant Johannes Reitmeier und Festwochen-Chef Alessandro De Marchi protestierten.

Also alles gerettet? Zumindest finanziell haben die Festwochen, die 2014 noch mit mehreren hunderttausend Euro in der Kreide standen und darob ihre Geschäftsführerin vor die Tür setzten, wieder Tritt gefasst. Auch künstlerisch geht es sacht bergauf. De Marchi, der mit seinen Dirigaten samt Stückauswahl (naturgemäß) kaum an den übergroßen Vorgänger René Jacobs anknüpfen konnte, landete ausgerechnet im Jahr nach der großen Krise den kleinen Coup. Seit 1732, dem ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt November 2015
Rubrik: Im Focus, Seite 4
von Markus Thiel

Weitere Beiträge
Visionen des Unbegriffenen

November 1999. Ein großer Liedersänger erprobt sich in Zürich erstmals als Alban Bergs Wozzeck. Matthias Goerne legt die Partie ganz lyrisch an, nach innen gewendet, bisweilen wie abwesend und immer wieder auf den schieren Schöngesang zielend. Das haftet bis heute.

September 2015. Wieder erprobt sich ein großer Liedersänger, der größte vielleicht derzeit, am selben...

Vom Geschmeide befreit

Konzertant – eine hübsche Untertreibung war das damals. Als im Februar dieses Jahres Kleopatra-Klone vor dem römischen Parco della Musica Programmhefte an die Besucher verteilten und drinnen die Banda der Staatspolizei in schmucken Uniformen dicht unter der Decke postiert war. Mit ungewohnt warmen Trompetenklängen schickte sie den Hit aus Giuseppe Verdis «Aida» in...

Ein König von Saba?

Vor hundert Jahren war Carl Goldmarks Name in aller Munde und seine Oper «Die Königin von Saba» ein Welterfolg. Elias Canetti, der als Kind im selben Wiener Haus wie der greise, am 2. Januar 1915 gestorbene Komponist wohnte, hat in seiner Autobiografie «Die gerettete Zunge» beschrieben, wie nach Goldmarks Tod am Tag des Begräbnisses die Straße «schwarz von Fiakern...