Donizetti: Lucia di Lammermoor
Wenige Tage nach dem Tod Benno Bessons brachte sein legendärer Ausstatter aus Zeiten der Zusammenarbeit an der Volksbühne und dem Deutschen Theater Berlin seine erste Inszenierung eines italienischen Melodramma heraus. Doch Ezio Toffoluttis «Lucia di Lammermoor» am Essener Aalto-Theater machte schmerzlich spürbar, was wir an Besson verloren haben: Sie ist szenisch ein Fiasko.
Die starre Personenführung, wenn dieses Wort für das plumpe Rampentheater überhaupt angebracht ist, wirkt wie bei der ersten Stellprobe stehen geblieben, Einfälle wie das karnevalistische Hochzeitsfest mit maskierten Kindern – die Kostüme siedeln das Stück Anfang des 20. Jahrhunderts in Großbritannien an – hinterlassen in ihrer Ungeformtheit einen peinlichen Eindruck. Dass Edgardo beim Ringtausch mit Lucia seinen blauen Mantel als unfreiwilliges Liebespfand liegen lässt und sie ihn beim Hantieren mit ihrem Brautkleid in der Wahnsinnsszene trägt, schafft nur einen plumpen szenischen Zusammenhang. Selbst der Ausstatter Toffolutti versagt: Ein Zwischenvorhang à la Caspar David Friedrich mit romantischer Gräberlandschaft und gestrandeten Booten verspricht Atmosphäre, die aber trotz leichter Verschleierung der ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Märchenoper oder politische Parabel? Man ist sich weitgehend einig, dass Rimsky-Korsakow mit der Geschichte vom selbstherrlichen König Dodon das zaristische System seiner Zeit treffen wollte. Aber lässt sich das Werk deshalb so mir nichts, dir nichts auf jede andere Regierung übertragen? Andreas Baesler hat in Oldenburg sein Inszenierungskonzept auf die...
Nach dem «Onkel aus Boston», den Helmuth Rilling aus der Versenkung geholt und wieder aufführungstauglich gemacht hatte (vgl. OW 11/2004), gilt es nun erneut einen Repertoire-Exoten zu begrüßen: «Heimkehr aus der Fremde» heißt das «Liederspiel in einem Akt», das am 26. Dezember 1829 uraufgeführt wurde.
Man vergegenwärtige sich folgende Situation: Einhundertzwanzig...
War es Zufall oder die Macht des Schicksals? Das Orchester der Vlaamse Opera in Antwerpen, das vor kurzem noch seine Auflösung befürchten musste, spielte nun Giorgio Battistellis Oper «Prova d’orchestra» – ein Werk, das die Geschichte eines revoltierenden Klangkörpers erzählt. Vorlage für diese Komposition, die 1995 in Straßburg uraufgeführt wurde, war Federico...
