Bescheiden

Mozart aus Baden-Baden: «Le nozze di Figaro» unter Yannick Nézet-Séguin

Opernwelt - Logo

Der Mozart-Zyklus aus Baden-Baden wächst. Das Prinzip «Ereignis» wird von den Produzenten auch für «Le nozze di Figaro», den vierten Teil des Projekts, reklamiert: Große Namen der Branche kommen kurz zusammen, um als Ensemble Bedeutendes zu erreichen.

Das künstlerische Ergebnis indes bleibt, gemessen an den hochgezüchteten Erwartungen, durchaus überschaubar: viel Gutes, wenig Neues, kaum Herausragendes. Dass Yannick Nézet-Séguin mit dem Chamber Orchestra of Europe einen vitalen, nervösen Mozart-Ton erzeugen kann, beweist auch diese Aufnahme.

Doch fragt man sich, zumal nach den Produktionen unter Teodor Currentzis oder René Jacobs, warum das Orchester hier unbedingt «historischer», also schärfer, spitzer klingen will als ein Ensemble mit alten Instrumenten. Der kanadische Dirigent leistet sich die eine oder andere Übertreibung, ob einstudiert oder spontan eingestreut, sei dahingestellt. Rund, organisch gewachsen wirkt das Ganze nur bedingt. Die orchestralen Höhepunkte markieren eher Momente der Innerlichkeit, wenn einzelne Instrumente sich zum kammermusikalischen Stelldichein verabreden und mit den Sängerstimmen vereinen.

Dass man die Rezitative durch forsche Spiel- und ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt November 2016
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 30
von Christoph Vratz

Weitere Beiträge
«Ich bin instinktiv eine Imitatorin»

Frau von Otter, als eine der vielseitigsten Sängerinnen der Gegenwart haben Sie – außer Verismo – fast alles gesungen, was Ihr Stimmfach hergibt. Sie sind ehrgeizig!?
Ach was, überhaupt nicht. Ich wollte singen, irgendwas, und zwar immer wieder. Allerdings habe ich so eine merkwürdige Neugier in mir, eine Rastlosigkeit. Wenn ich spazierengehe, laufe ich auch immer...

In der Arche des reinen Klanges

Hochfliegende, zukunftsweisende Pläne waren es. Für nicht weniger als rund 200 Millionen Schweizer Franken sollte in Luzern, gleich neben dem KKL, ein neues Theater erbaut werden. Nicht nur ein neues Haus als Ersatz für das marode Stadttheater. Sondern auch ein Theater der neuen Art – eine Salle Modulable nach Pierre Boulez, ein Ort der flexiblen Räume. So...

Nach Strich und Segen

Es bietet weder Drama noch Handlung im eigentlichen Sinn: Der Typus des geistlich-erbaulichen Oratoriums gehört nicht gerade zu den Favoriten des heutigen Publikums, selbst wenn man ihm Meisterwerke wie Alessandro Scarlattis «La Santissima Trinità» (vor 13 Jahren von Fabio Biondi und Europa Galante wiedererweckt) oder «Il trionfo del tempo e del disinganno» des...