Hochbetrieb in der Sommerfrische
Wie leicht, wie oft entfährt sie uns, die Rede vom Besonderen, Herausgehobenen, Unvergleichlichen. Diese hochgejazzte Floskelsprache der Superlative, die, wenn nicht das Beste, Schönste, Wahrhaftigste, so zumindest das Unterhaltsamste, Köstlichste, Abgefahrenste verheißt. Wie der Abend- und Morgenstern vom grauen Firmament soll sich das glitzernde Lametta eines Jargons abheben, dem es vor allem um eines geht: Sichtbarkeit herzustellen, Leuchtsignale zu setzen im unermesslich anschwellenden Strom der Bilder und Zeichen.
Allein, wenn Sinn und Bedeutung der Wörter nurmehr am Goldlack haften, der sie überzieht, verlieren sie ihre distinktive Kraft – und mit ihr die Fähigkeit, präzise eben jene eine Sache zu bezeichnen, die uns zu verführen, zu überraschen, in Bann zu schlagen verspricht wie sonst kaum etwas.
Festspiele zum Beispiel. Der Boom der Festivalkultur hat viel mit dem Bedürfnis nach Außergewöhnlichem zu tun, nach gemeinsamer Erfahrung, die dem Alltag mit seinen Zwängen und Routinen, den Zumutungen des verwalteten Lebens enthoben ist. Foren der Anschauung, des Feierns, der Kontemplation waren sie bereits im alten Ägypten und im antiken Griechenland. Was damals als kultische ...
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Opernwelt Juli 2019
Rubrik: Essay, Seite 60
von Albrecht Thiemann
Der Nahe Osten kommt nicht zur Ruhe. Gerade ist der israelisch-palästinensische Konflikt wieder voll entflammt. Und von Frieden in Syrien kann nach wie vor keine Rede sein. Kaum eine Region ist seit jeher so permanent umkämpft worden. Eroberer, Invasoren, Herrscher, Systeme wechselten sich ab, stets regierten auswärtige Mächte mit und hinein, die sich in...
Eine bunte, mondäne Badegesellschaft bespaßt sich an einem Swimmingpool, während etwas abseits mit zerquältem Gesichtsausdruck eine Männergestalt herumstapft, die in ihrem braunen Cordsamtanzug nicht im Geringsten zu dem kapriziösen Freibadambiente passen will, offensichtlich aber gern bei der Party dabei wäre. In tosender Verzweiflung glaubt sich dieser...
Bald sind es vier Jahrzehnte. So lange wird Carola Fischer dann als Solistin auf der Bühne des Staatstheaters Cottbus gestanden haben. Aber was heißt hier: gestanden? Fast alle für ihren Mezzosopran geeigneten Rollen hat die gebürtige Berlinerin an dem Haus gesungen, von den leichten bis zu den schweren Fächern, von Mozarts quirligem Cherubino bis zu Wagners...
