Menschliches Maß

Der Bau Alvar Aaltos – ein Glücksfall der Architekturmoderne

Opernwelt - Logo

Dreißig Jahre gingen ins Land, bis das weiße Haus im Essener Stadtpark endlich fertig war. Sein Urheber, der finnische Architekt Alvar Aalto, hat es nicht mehr gesehen. Als Aalto 1976 starb, «lebte» der plas­tische Bau mit der elegant gewellten Fassade und dem sanft ansteigenden Dach lediglich auf dem Papier. Den von der Kommune ausgeschriebenen Wettbewerb für ein neues Theater hatte Aalto im August 1959 glorios gewonnen. Mit einem Entwurf, der in Fachkreisen bereits als Geniestreich galt, als dessen Realisierung noch in den Sternen stand.

Vom Türgriff bis zur Bühnentechnik, vom Garderobentisch bis zu den Foyers ist hier jedes Detail aufeinander abgestimmt, nach den Prinzipien orga­nischer Schlüssigkeit und formstrenger Funktionalität durchgestaltet. Mit den knallbunten Stilblüten der postmodernen Schauarchitektur, die gerade en vogue war, als der wie eine Skulptur in die Parklandschaft eingepasste Solitär 1988 mit Wagners «Meistersingern» eröffnet wurde, hatte Aalto so wenig im Sinn wie mit der Diktatur des rechten Winkels. Er misstraute den plakativen Gesten wie den kalten Symmetrien, sein Denken, seine Fantasie setzten dort an, wo sich die Qualität eines Baukörpers letztlich ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Jahrbuch 2008
Rubrik: Opernhaus des Jahres, Seite 28
von Albrecht Thiemann

Vergriffen
Weitere Beiträge
Aus freien Stücken

Aufeinander hören

Henja Semmler (Violine)

Ich war schon sehr früh im Gustav-Mahler-Jugendorchester und bin in die Gründergene­ration des Gustav-Mahler-Chamber-Orchestra reingerutscht, obwohl ich damals eigentlich zu jung war. Ich habe mich sehr gefreut, dass wir auf professioneller Ebene und ohne Altersbeschränkung miteinander Musik machen konnten. Wir sind eher...

Auf Leben und Tod

Abschied von der Erlösung

«Confidence Games» nennt der amerikanische Religionswissenschaftler Mark C. Taylor die Strategien, die in Religion und Ökonomie für Bewegung sorgen. «Täuschungsspiele» ist wahrscheinlich eine unzureichende Übersetzung, die der Dialektik von Vertrauen und Verdacht, die in diesem Wort mitschwingt, nicht gerecht wird. Für Taylor sind diese...

Aufführung des Jahres

Der Dichter spricht. Und preist das Weib. Doch nicht irgendeines ist hier gemeint, sondern keine Geringere als die herzenswilde Königin der Amazonen: Penthesilea. «Zärtlichen Herzens gefühlvoll geweiht / Mit Hunden zerreißt sie, welchen sie liebt, und isst dann, Haut und Haare, ihn auf.» So beschreibt Heinrich von Kleist eine der schillerndsten Frauenfiguren der...