Aufführung des Jahres

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Der Dichter spricht. Und preist das Weib. Doch nicht irgendeines ist hier gemeint, sondern keine Geringere als die herzenswilde Königin der Amazonen: Penthesilea. «Zärtlichen Herzens gefühlvoll geweiht / Mit Hunden zerreißt sie, welchen sie liebt, und isst dann, Haut und Haare, ihn auf.» So beschreibt Heinrich von Kleist eine der schillerndsten Frauenfiguren der Antike. Liebende ist diese Frau und Gewalttätige zugleich, «halb Furie, halb Grazie», wie Achill sie bezeichnet.

Ein obsessiver Doppelcharakter, der aufgrund seiner psychologischen Diskrepanz nur schwer zu fassen ist – und wohl auch deswegen von vielen Regisseuren gemieden wurde; zu schwierig schien es wohl den meisten, die Ambivalenzen sichtbar zu machen, das In-Eins-Seiende von Liebe und Gewalt. Einer, der es früh versucht hat, ist Hans Neuenfels. 1981 brachte er Kleists Drama «Penthesilea» auf die Bühne des Berliner Schillertheaters, zwei Jahre später entstand der Film «Heinrich Penthesilea von Kleist». In der Folge der Wiederentdeckung und Etablierung von Othmar Schoecks Musiktheater «Penthesilea» (auch die Semperoper Dresden spielte das Werk in der vergangenen Saison) griff Neuenfels den Stoff erneut auf. Welche ...

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Opernwelt Jahrbuch 2008
Rubrik: Aufführung des Jahres, Seite 14
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