Fastenpredigt
Das Bühnenbild im Kölner Palladium ist denkbar einfach: die Fassade und die bescheidenen Interieurs eines kleinen Fünfziger-Jahre-Hauses auf runder Drehscheibe. Es ist Nachkriegszeit, die «dunklen Jahre» werden verdrängt, knallbunte Kostüme signalisieren neue Lebenslust. Man hat sich eingerichtet: Freunde, Bekannte und jene drei «Freier», die um Frau Penelope werben – und des verschollenen Herrn Ulisse Firma erben möchten.
Nur Penelope spielt nicht mit: Katrin Wundsam, ganz in Schwarz, mit großer Jackie-Kennedy-Sonnenbrille und in starrer Haltung, ist ein Monument der Verweigerung. Ihr flexibler Mezzo überrascht diesmal in sonorer Alt-Lage, sie entlockt ihm alle Farben der Erbitterung, Sehnsucht, Hoffnung, der Angst und Abwehr – Penelopes Drama ereignet sich in der Stimme.
Als der lange verschollene Ulisse doch noch auftaucht, ist er ein anderer geworden: ein ausgebranntes Wrack im Kampfanzug, dreckig, verkommen, mit Blut an den Händen. Wenn er sich am Ende noch einmal zur Tat aufrafft, gibt es kein archaisches Gemetzel – er macht schlicht die lustige Gesellschaft der Freier mit dem MG nieder. Der Exzess der Gewalt steht in groteskem Missverhältnis zum Anlass: eine öde Pyjama-Party ...
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Opernwelt April 2012
Rubrik: Panorama, Seite 40
von Ingo Dorfmüller
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