Liebesgrüße aus der Hölle
«Ich habe mir schon oft die Frage gestellt, welche der beiden Inszenierungen mir näher steht», meinte Schostakowitsch zu den ersten, 1934 im Abstand von nur zwei Tagen herausgebrachten Produktionen seiner «Lady Macbeth von Mzensk». «Dies ist aber ein sehr verzwicktes Problem, denn es stellt sich heraus, dass mir beide Aufführungen – aus verschiedenen Gründen – sehr nahe stehen.» In ebendiese Zwickmühle hat uns auch der Besuch in Antwerpen und Dessau gebracht.
Nikolai Smolitsch hatte damals in Sankt Petersburg die satirischen Momente der Oper betont, Wladimir Iwanowitsch Nemirowitsch-Dantschenko in Moskau Katerinas tragisches Schicksal in den Vordergrund gerückt. Am Anhaltischen Theater entschied sich Hinrich Horstkotte jetzt für den Sankt Petersburger Weg. Calixto Bieito nahm an der Vlaamse Opera die Moskauer Route. Jeder nach seiner Façon – hat doch der eine ein ausgeprägtes Talent fürs Komische, der andere fürs Unerbittliche.
Calixto Bieito sei zahm geworden, war in letzter Zeit zu lesen. In der Tat: Die Tage, in denen Zuschauer aus dem Saal flohen, weil sie sich von brutalen Kopulationsszenen abgestoßen, ja vom Regisseur zum Voyeurismus gezwungen sahen, sind vorüber. Ein Schock ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Mai 2014
Rubrik: Im Focus, Seite 16
von Wiebke Roloff
Don Giovanni»: ein (Komödien-)Tohuwabohu. Aber auch die Jagd aller auf alle. 1789, ein Jahr nach der Wiener Erstaufführung, bricht die Französische Revolution aus, die sich auch in Österreich schon abzeichnete, sogar in Mozarts kompositorische Strukturen einging: Wenn in der Tanzszene im ersten Finale Adels-Menuett, bürgerliche Contredanse und bäuerlicher Ländler...
Unter den Dokumentarfilmern, die sich für Musik interessieren, nimmt Bruno Monsaingeon einen besonderen Rang ein. Der Franzose ist ausgebildeter Geiger und verkehrt mit Musikern sozusagen in ihrer Sprache. Das hat ihm nicht nur Türen, sondern auch Herzen geöffnet. Monsaingeon interessiert sich für die eher scheuen, oft schwierigen Künstler, die ihren Weg abseits...
Welche Brünnhilde ist am schwersten zu singen?
Für mich die der «Walküre», weil sie sehr tief liegt. Ich mache immer drei Kreuze, wenn’s vorbei ist. Die «Siegfried»-Brünnhilde singt sich dagegen wie nix. Und bei «Götterdämmerung» hat man vom Spiel her einen anderen Zugriff. Bei der «Walküre» hat meine Lehrerin Ingrid Bjoner immer gesagt: «Ach Gott, diese...
