In der Balance gehalten
Anlass war eine Hochzeit. Der Herzog von Parma, Enkel von Louis XV., ehelichte die Erzherzogin von Österreich, Marie-Amélie, ihres Zeichens Schwester von Marie-Antoinette – eine Art europäisches Verwandtschaftskomplott sozusagen. Der Hof von Parma hatte Christoph Willibald Gluck mit den musikalischen Festlichkeiten beauftragt, zumal die Braut mit dem Komponisten Bekanntschaft pflegte; sie war einige Zeit zuvor eine von vier Darstellerinnen in seinem «Parnasso confuso» gewesen.
Für das große Fest im Sommer 1769 komponierte Gluck ein zweiteiliges Opéra-Ballet «Le Feste d’Apollo», bestehend aus «Aristeo» im ersten Teil und «Bauci e Filemone» im zweiten. Christophe Rousset und seine Talens Lyriques haben dieses Werk nun erstmals auf Tonträger festgehalten. Wie immer bei Rousset herrscht auch hier keine Routine. Er reist mit seinem Ensemble durch die Bezirke dieser Oper, als habe er den Allradbetrieb eingeschaltet. Kein Ruckeln, keine Übersteuerung, alles Unebene wird musikalisch ausbalanciert. Das klingt ungemein lebendig, aber nie künstlich. Das Dauer-Expressivo, welches Rousset an den Tag legt, läuft glücklicherweise nicht Gefahr, stumpf zu werden; es besitzt jenes Flirren und ...
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