Fantasy-Trip
Stutzig werden wir erstmals bei der Durchsicht des Theaterjournals. Ganz unten auf der Besetzungsliste steht eine Person, die wir bislang nicht kannten: «Das Rheingold». Und tatsächlich, David Greeves, im Programmheft als Tänzer, Choreograf, Akrobat, Trapezkünstler und Schauspieler ausgewiesen, hangelt sich am Seil aus dem Straßburger Schnürboden: ein güldener Schlangenmensch, der sich geschmeidig windet und am Ende, wenn sich die Sachlage im «Ring des Nibelungen» merklich verdüstert, derangiert verkriecht.
Am Uranfang dieser neuesten «Ring»-Erkundung leuchtet nichts als eine schräg geneigte Maske aus dem totalen Szenendunkel. In der Schlussszene sehen wir klarer: Sie gehört Erda, deren glückhaft intonierende Darstellerin Alexandra Kloose sich aus dem meterlangen Rock der bühnenhohen Gestalt schält – sieht alles, hört alles. Auf dass wir wenigstens eine Ahnung davon bekommen, wie das wird, bemächtigt Wotan sich eines Stofffetzens ihres Gewandes, und sein Haupt bettet er auch schon mal in ihren Schoß.
Der Leser merkt’s: Es ließe sich immerfort weiter erzählen von diesem elsässischen «Rheingold». Der schottische Regisseur David McVicar versteht sich bei Richard Wagner mit großem ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Athens Megaron ist nicht irgendein Ort, um «Elektra» zu spielen. Das historische Mykene liegt nur eineinhalb Autostunden entfernt. Wenn die Mythe nicht lügt (was sie laut Ernst Bloch gern tut), dann kann man sich dort das Badezimmer vorstellen, in dem Agamemnons Schädel gespalten wurde – von seiner Frau. Hügelabwärts liegen die Tholosgräber der Atridensippschaft....
Ist es Ihnen auch schon oft so gegangen? Man sitzt in einer Aufführung, in der laut Programmzettel deutsch gesungen wird. Trotzdem versteht man kein Wort. Das kann selbst dann passieren, wenn ein Haus sich bewusst für eine deutsche Übersetzung, etwa bei Mozart oder Monteverdi, entschieden hat. Umgekehrt kommen Italiener, die in deutschen Opernhäusern Puccini in...
Die Vlaamse Opera hat sich das Ziel nicht nur eines modernen, sondern eines zeitgemäßen «Rings» gesetzt. Und das laut Jahresprogramm gleich in dreierlei Hinsicht. Einmal in der Regie von Ivo van Hove, dann durch das Engagement schlanker, junger Stimmen, schließlich mit einem analytisch-entschlackten Orchesterklang. Zumindest hinsichtlich der ersten beiden Punkte...
